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  • Zwei der besten queeren Serien ĂŒberhaupt sind jetzt auf ARTE

    Zwei der besten queeren Serien ĂŒberhaupt sind jetzt auf ARTE

    Es gibt schon lustige ZufĂ€lle. Mein Mann und ich haben in den letzten Wochen gerade alle vier Staffeln von Please Like Me durchgebinged. Und kaum sind wir fertig, kĂŒndigt ARTE an, dass nicht nur Please Like Me, sondern auch Josh Thomas’ Nachfolgeserie Everything’s Gonna Be Okay ab sofort kostenlos verfĂŒgbar sind.

    Falls ihr eine der beiden Serien noch nicht kennt: Das solltet ihr Ă€ndern. FĂŒr mich gehören sie zu den besten queeren Serien, die je gemacht wurden.

    Please Like Me erzĂ€hlt vom jungen Josh, der sich mit Freundschaften, Familie, Liebe und dem Coming-out auseinandersetzt. Die Serie schafft etwas, das nur wenigen gelingt: Sie ist gleichzeitig urkomisch und herzzerreissend. Sie spricht ĂŒber psychische Gesundheit, Beziehungen und das Erwachsenwerden mit einer Ehrlichkeit, die sich nie aufgesetzt anfĂŒhlt.

    Everything’s Gonna Be Okay fĂŒhrt diesen Ton weiter. Diesmal ĂŒbernimmt Josh Thomas die Rolle von Nicholas, der nach dem Tod seines Vaters plötzlich Verantwortung fĂŒr seine beiden Halbschwestern tragen muss. Die Serie erzĂ€hlt feinfĂŒhlig von Familie, Neurodivergenz, queeren IdentitĂ€ten und dem Versuch, das Leben irgendwie auf die Reihe zu bekommen – ohne dabei jemals den Humor zu verlieren.

    Was ich an beiden Serien besonders mag: Die Figuren wirken wie echte Menschen. Niemand ist perfekt. Niemand hat immer die richtige Antwort. Statt grosser Dramen stehen die kleinen, oft chaotischen Momente des Alltags im Mittelpunkt. Genau das macht sie so besonders.

    Dass jetzt beide Serien kostenlos bei ARTE zu sehen sind, ist eine wunderbare Gelegenheit, sie nachzuholen – oder, so wie wir, gleich noch einmal anzuschauen. Ich kann sie von Herzen empfehlen.

  • Das Beste am Erwachsensein

    Das Beste am Erwachsensein

    Als Kind dachte ich, das Beste am Erwachsensein wÀre Freiheit.
    Keine Hausaufgaben. Keine Regeln. Niemand, der einem sagt, wann man ins Bett gehen oder was man anziehen soll. Einfach machen, worauf man Lust hat.

    Heute bin ich erwachsen und weiss: Die RealitÀt ist etwas komplizierter. Rechnungen bezahlen, WÀsche waschen und Termine organisieren standen in meiner Fantasie damals nicht besonders im Vordergrund.
    Trotzdem gibt es Dinge am Erwachsensein, die ich wirklich schÀtze.

    Zum Beispiel die Freiheit, meinen Alltag nach meinen eigenen BedĂŒrfnissen zu gestalten. Ich kann entscheiden, wann ich kreativ sein möchte. Ich kann einen Abend damit verbringen, an einer App zu arbeiten, eine Website zu gestalten oder einen 3D-Druck zu starten, ohne dass jemand fragt, ob das sinnvoll ist.

    Ich kann mein Leben mit kleinen Ritualen fĂŒllen, die vielleicht nur fĂŒr mich Bedeutung haben. Einen Kaffee trinken, bevor der Tag richtig beginnt. Ein paar RĂ€tsel lösen. Eine neue Idee verfolgen, nur weil sie mich interessiert.

    Als Kind wollte ich oft wissen, wie Erwachsene ihr Leben im Griff bekommen. Heute weiss ich, dass die meisten es nicht so sehr im Griff haben, wie es von aussen aussieht. Viele von uns improvisieren. Viele lernen unterwegs. Viele versuchen einfach ihr Bestes.
    Und vielleicht ist genau das eine der schönsten Erkenntnisse am Erwachsensein.
    Niemand hat alle Antworten.
    Wir dĂŒrfen ausprobieren. Wir dĂŒrfen unsere Meinung Ă€ndern. Wir dĂŒrfen neue Interessen entdecken, alte loslassen und Wege einschlagen, die wir vor fĂŒnf Jahren nie erwartet hĂ€tten.
    Das Beste am Erwachsensein ist fĂŒr mich deshalb nicht die UnabhĂ€ngigkeit.
    Es ist die Erlaubnis, mein eigenes Leben zu gestalten.
    Nicht perfekt. Nicht immer erfolgreich.
    Aber auf meine Art.

  • Mein Gehirn behandelt neue Interessen wie NotfĂ€lle

    Mein Gehirn behandelt neue Interessen wie NotfÀlle

    Ich weiss nicht genau, wann es passiert, aber plötzlich ist ein neues Thema da. Und ab diesem Moment verhÀlt sich mein Gehirn so, als gÀbe es absolut nichts Wichtigeres mehr auf der Welt.

    Normale Menschen entdecken vielleicht ein neues Hobby und denken sich: „Interessant, das probiere ich irgendwann mal aus.“
    Mein Gehirn reagiert eher wie:
    „Wir mĂŒssen sofort alles darĂŒber wissen. Sofort.“

    Dann beginnt eine sehr spezifische Phase. YouTube-Videos werden geschaut, Reddit-Threads gelesen, Webseiten verglichen und plötzlich weiss ich mehr ĂŒber ein Thema, das mich gestern noch ĂŒberhaupt nicht interessiert hat, als eigentlich notwendig wĂ€re.

    Das Problem ist: Mein Gehirn unterscheidet nicht besonders gut zwischen einer kleinen Neugier und einer neuen Lebensmission.
    So entstehen dann Situationen, in denen ich um zwei Uhr morgens tief in einem Forum ĂŒber mechanische Tastaturen, 3D-Drucker, Productivity-Apps oder irgendwelche obskuren Gadgets sitze und völlig ĂŒberzeugt bin, dass genau dieses Thema mein Leben verĂ€ndern wird.

    FĂŒr ungefĂ€hr acht Tage.

    Das Faszinierende daran ist, dass sich diese Begeisterung jedes Mal komplett echt anfĂŒhlt. Nicht gespielt, nicht oberflĂ€chlich. Wenn mich etwas interessiert, dann richtig. Menschen sagen mir oft, dass man mir ansieht, wenn ich fĂŒr etwas brenne. Und ich glaube, genau das passiert in diesen Phasen.
    Mein Gehirn liebt neue Möglichkeiten. Neue Systeme. Neue Ideen. Neue kleine Welten, in die man eintauchen kann.
    Manchmal bleibt etwas davon langfristig. Viele meiner Projekte sind genau so entstanden. Andere Interessen verschwinden wieder fast so schnell, wie sie gekommen sind.
    FrĂŒher dachte ich, das sei ein Problem. Heute sehe ich es entspannter.
    Nicht jede Begeisterung muss produktiv sein. Nicht jedes Interesse muss monetarisiert werden. Und nicht jede Idee muss ein fertiges Projekt werden.
    Manchmal ist es genug, sich einfach kurz komplett fĂŒr etwas zu begeistern.
    Auch wenn man drei Wochen spĂ€ter plötzlich ĂŒberzeugt ist, dass man eigentlich unbedingt einen Mini-Plotter braucht.

  • Warum ich lieber Apps fĂŒr das iPhone entwickle

    Warum ich lieber Apps fĂŒr das iPhone entwickle

    HĂ€tte mir vor ein paar Jahren jemand gesagt, dass ich einmal meine Abende damit verbringen wĂŒrde, Apps zu entwickeln, hĂ€tte ich vermutlich gelacht.

    Ich bin kein Softwareentwickler. Ich habe keine Informatik studiert. Ich bin SozialpÀdagoge. Programmieren war nie ein Berufswunsch und ehrlich gesagt auch kein Hobby, das mich besonders gereizt hat.

    Ich hatte einfach Ideen.

    Und irgendwann wurde mir klar: Wenn ich darauf warte, dass jemand anderes sie umsetzt, werden sie wahrscheinlich nie RealitĂ€t. Also begann ich zu lernen. Tutorial fĂŒr Tutorial. Fehler fĂŒr Fehler. Kleine Erfolgserlebnisse dazwischen. Irgendwann stand tatsĂ€chlich meine erste App im App Store. Heute sind es mehrere. Das fĂŒhlt sich manchmal immer noch ziemlich unwirklich an.

    Immer wieder werde ich gefragt, warum meine Apps nur fĂŒr das iPhone erhĂ€ltlich sind.

    Die Antwort ist eigentlich ganz einfach: Ich entwickle lieber fĂŒr iOS.

    Ich weiss, dass das fĂŒr Android-Nutzerinnen und -Nutzer nicht besonders erfreulich ist. Android hat weltweit den grösseren Marktanteil, erreicht deutlich mehr Menschen und bietet Entwicklerinnen und Entwicklern enorm viele Möglichkeiten. FĂŒr viele ist Android deshalb die logische Wahl.

    Das verstehe ich vollkommen.

    Aber wenn man alleine entwickelt und das Ganze neben einem Vollzeitjob macht, verschieben sich die PrioritÀten. Dann geht es nicht nur darum, möglichst viele Menschen zu erreichen, sondern auch darum, wie viel Energie der Weg dorthin kostet.

    FĂŒr mich spielt dabei Einfachheit eine grosse Rolle.

    Apple stellt mit Xcode praktisch alles bereit, was ich zum Entwickeln brauche. Dort schreibe ich den Code, gestalte die BenutzeroberflĂ€che, teste meine Apps und bereite sie fĂŒr die Veröffentlichung vor. NatĂŒrlich ist Xcode nicht perfekt. Wahrscheinlich hat sich jede Person, die schon einmal fĂŒr iOS entwickelt hat, mindestens einmal darĂŒber aufgeregt. Trotzdem mag ich, dass fast alles an einem Ort passiert. Ich öffne Xcode, arbeite dort weiter, wo ich aufgehört habe, und kann mich auf die eigentliche Idee konzentrieren. Das klingt banal, macht aber einen riesigen Unterschied, wenn App-Entwicklung hauptsĂ€chlich in den Abendstunden und am Wochenende stattfindet.

    Dazu kommt etwas, das auf den ersten Blick vielleicht etwas seltsam klingt: Ich mag es, dass Apple vergleichsweise wenige GerÀte herstellt.

    Als KÀufer finde ich Auswahl grossartig. Als Entwickler bedeutet jedes zusÀtzliche Smartphone aber auch eine weitere Bildschirmgrösse, einen anderen Prozessor, eine andere Kamera, eine andere Android-Version und damit eine weitere Möglichkeit, dass irgendwo etwas nicht wie erwartet funktioniert.

    Genau diese Vielfalt macht Android so spannend. Gleichzeitig macht sie die Entwicklung auch deutlich anspruchsvoller.

    Apples GerĂ€te unterscheiden sich natĂŒrlich ebenfalls voneinander. Aber sie folgen derselben Designsprache und verhalten sich erstaunlich konsistent. Dadurch verbringe ich weniger Zeit damit, Fehler auf bestimmten GerĂ€ten zu suchen, und mehr Zeit damit, darĂŒber nachzudenken, ob eine Funktion ĂŒberhaupt sinnvoll ist.

    Auch beim Veröffentlichen einer App gefÀllt mir Apples Ansatz.

    Über App Store Connect werden neue Versionen hochgeladen, Beta-Tester eingeladen, Screenshots verwaltet, Datenschutzeinstellungen festgelegt und alle Informationen gepflegt, die spĂ€ter im App Store angezeigt werden. Entwickler nennen diese Informationen «Metadaten». Gemeint ist im Grunde einfach alles, was zur App gehört, ohne die App selbst zu sein.

    Auch dieses System ist nicht perfekt.

    Aber ich empfinde es als angenehm aufgerÀumt.

    Und dann gibt es noch einen Punkt, den ich kaum verschweigen kann:

    Ich nutze KI. Sehr viel sogar.

    Nicht, damit sie meine Arbeit ĂŒbernimmt. Sondern damit ich schneller ans Ziel komme.

    Inzwischen gibt es dafĂŒr sogar einen Begriff: Vibecoding. Dabei beschreibt man einer KI, was man bauen möchte, erhĂ€lt einen ersten Entwurf und arbeitet diesen anschliessend weiter aus. Man versteht den Code, verbessert ihn, korrigiert Fehler und entwickelt daraus Schritt fĂŒr Schritt die eigentliche App.

    Manche feiern diesen Ansatz. Andere halten ĂŒberhaupt nichts davon.

    Mir ist diese Diskussion ehrlich gesagt ziemlich egal.

    Ohne KI hÀtte ich wahrscheinlich nie so viele Apps entwickeln können.

    Interessanterweise habe ich ausserdem das GefĂŒhl, dass KI mich beim Entwickeln von iPhone-Apps besser unterstĂŒtzt als bei Android-Projekten. Ob das wirklich so ist, weiss ich nicht. Vielleicht liegt es daran, dass Apples Ökosystem stĂ€rker standardisiert ist. Vielleicht an Swift und der guten Dokumentation. Vielleicht ist es auch einfach mein persönlicher Eindruck.

    Was auch immer der Grund ist: Beim Entwickeln fĂŒr iOS habe ich deutlich seltener das GefĂŒhl, gegen die KI arbeiten zu mĂŒssen.

    Trotzdem möchte ich Android ĂŒberhaupt nicht kleinreden.

    Im Gegenteil.

    Mir ist völlig bewusst, dass ich viele Menschen ausschliesse, wenn ich Apps nur fĂŒr das iPhone veröffentliche. Weltweit nutzen mehr Menschen Android als iOS. Und ich finde den Gedanken schade, dass jemand eine meiner Apps entdeckt und sie dann gar nicht verwenden kann.

    Mein Ziel war nie, Apps ausschliesslich fĂŒr Apple-Nutzerinnen und -Nutzer zu entwickeln.

    Ich möchte Dinge bauen, die Menschen nĂŒtzlich finden.

    Im Moment bin ich aber eine einzelne Person mit einem Vollzeitjob und begrenzter Zeit. Deshalb muss ich PrioritÀten setzen. Und im Moment bedeutet das: zuerst iOS.

    Das heisst allerdings nicht, dass Android fĂŒr mich keine Rolle spielt. Schon heute versuche ich, Entscheidungen zu vermeiden, die eine Android-Version spĂ€ter unnötig erschweren wĂŒrden. Sollte eine meiner Apps irgendwann grösser werden und mehr Menschen erreichen, wĂ€re eine Android-Version sofort eine meiner höchsten PrioritĂ€ten.

    Vielleicht lese ich diesen Beitrag in ein paar Jahren selbst wieder – wĂ€hrend ich gleichzeitig eine iPhone- und eine Android-Version meiner Apps weiterentwickle.

    Ich wĂŒrde mich ehrlich gesagt freuen, wenn es so kĂ€me.

    Bis dahin wirst du neue Ideen von mir aber wahrscheinlich weiterhin zuerst im App Store finden.

  • Was sich in meiner pĂ€dagogischen Arbeit verĂ€ndert hat

    Was sich in meiner pÀdagogischen Arbeit verÀndert hat

    Wenn ich heute auf meine ersten Jahre als SozialpĂ€dagoge zurĂŒckblicke, fĂ€llt mir auf, dass ich mich verĂ€ndert habe.

    Nicht meine Haltung gegenĂŒber Kindern oder Jugendlichen ist anders geworden. Mein Interesse an PĂ€dagogik hat sich ebenfalls nicht geĂ€ndert. Es ist die Art, wie ich arbeite.

    FrĂŒher wollte ich vieles richtig machen. Ich wollte Konflikte lösen, gute Antworten geben und möglichst schnell helfen. Wenn jemand traurig war, wollte ich trösten. Wenn zwei Jugendliche stritten, wollte ich vermitteln. Wenn etwas nicht funktionierte, wollte ich eine Lösung finden.

    Heute arbeite ich anders.

    Das liegt nicht daran, dass ich weniger motiviert bin. Vielmehr habe ich gemerkt, dass gute PĂ€dagogik oft bedeutet, etwas nicht zu tun.

    Ich greife nicht sofort ein. Ich fĂŒlle nicht jede Stille aus. Ich löse nicht jede schwierige Situation.

    Mit den Jahren habe ich gelernt, Menschen mehr zuzutrauen. Jugendliche können Konflikte manchmal selbst lösen. Frustration muss nicht immer vermieden werden. Entwicklung braucht Zeit und verlÀuft selten geradlinig.

    FrĂŒher wollte ich manchmal helfen, obwohl keine Hilfe nötig war. Vielleicht brauchte es einfach jemanden, der da war, zuhörte und den Moment aushielt.

    Diese Erkenntnis kam nicht von heute auf morgen. Sie entwickelte sich langsam durch GesprÀche mit Kolleginnen und Kollegen, durch Fehler, durch Erfahrungen und vor allem durch die Menschen, die ich begleiten durfte.

    Heute sehe ich meinen Beruf weniger als den eines Problemlösers. Ich betrachte ihn eher als den eines Vermittlers von Rahmenbedingungen. Ich schaffe einen Ort, an dem Menschen ausprobieren, scheitern, wachsen und wieder aufstehen können.

    Das könnte der grĂ¶ĂŸte Unterschied zu frĂŒher sein.

    Ich habe aufgehört zu glauben, dass gute PÀdagogik bedeutet, immer die richtige Antwort zu kennen.

    Heute glaube ich, dass es viel hÀufiger darum geht, die richtigen Fragen zu stellen, aufmerksam zu beobachten und Vertrauen zu schenken.

    Vielleicht ist das der Grund, warum ich meinen Beruf heute mehr mag als vor zehn Jahren.

  • From App Store to GitHub: Why I’m Releasing My Festival App

    From App Store to GitHub: Why I’m Releasing My Festival App

    In 2025, I did something I’d been dreaming about for years – I shipped my first iOS app to the App Store. The Queersicht Film Festival app was a labor of love, built from the ground up for Switzerland’s largest queer film festival. Seeing it downloaded and used by real festival-goers was an incredible feeling.

    But more than the pride of shipping, what I’m most proud of is how much I learned along the way.

    This project pushed me in ways I didn’t expect. I dove deep into SwiftUI, figured out offline-first architecture, built custom animation systems, and learned the hard way about state management and memory optimization. Every challenge taught me something new, and every bug I squashed made me a better developer.

    That’s why I’m releasing the complete source code on GitHub – as-is, warts and all.

    I remember when I was starting out, looking at open-source projects and wondering how they were built. I’d wish I could see the actual code, not just the polished final product. Now I want to pay that forward.

    This codebase could be the foundation for so many different projects.

    • Other film festivals or cultural events needing their own companion apps
    • Conference organizers wanting to build interactive schedules
    • Community groups creating event guides for their members
    • Developers looking to learn about offline-first mobile architecture
    • Anyone wanting to experiment with SwiftUI animations and custom themes

    The app includes everything: the iOS frontend, a PHP backend with RESTful API, an admin panel for content management, and even a mini-game I built from scratch. It’s not perfect – there are things I’d do differently now – but it’s real, working code that solved real problems.

    My hope is that this code helps someone else realize their dream app. Maybe you’ve been hesitating to start your own project because you’re not sure where to begin. Maybe you’re stuck on a specific technical challenge and need to see how someone else approached it. Or maybe you just want to explore and learn.

    Whatever brings you here, I hope this code serves you well. Fork it, study it, break it, fix it, and make it your own. Build something amazing with it.

    And If something cool comes out of it: It would be awesome if you let me know. I am curious what you built with it.

  • Meine ersten Crushes waren kein Zufall

    Meine ersten Crushes waren kein Zufall

    Vor Kurzem wurde ich fĂŒr das Display Magazin nach meinen ersten mĂ€nnlichen Crushes gefragt. Die Frage klang zunĂ€chst herrlich nostalgisch. Wer waren die ersten MĂ€nner, bei denen mein Herz ein bisschen schneller schlug?

    Je lĂ€nger ich darĂŒber nachdachte, desto mehr wurde mir klar: Es ging gar nicht nur um nostalgische Erinnerungen. Diese SchwĂ€rmereien erzĂ€hlen auch etwas darĂŒber, wie wir uns selbst entdecken. Oft lange bevor wir ĂŒberhaupt die Sprache dafĂŒr haben.

    Mein erster Crush war ausgerechnet ein Action Man.

    Nicht ein SĂ€nger. Nicht ein Schauspieler. Sondern eine Plastikfigur.

    Ich muss etwa zehn Jahre alt gewesen sein. WĂ€hrend andere Kinder mit ihm Missionen spielten, interessierte ich mich immer mehr fĂŒr den Mann selbst. Seine Muskeln, die breiten Schultern, der entschlossene Blick. Und ja: Ich fand es unglaublich spannend, dass man ihn ausziehen konnte. Plötzlich war er nicht mehr nur eine Actionfigur, sondern ein mĂ€nnlicher Körper, den ich fasziniert betrachtete.

    Damals hĂ€tte ich natĂŒrlich nie sagen können, warum mich das so beschĂ€ftigte. Ich wusste nicht einmal, dass es ĂŒberhaupt möglich war, sich als Junge zu Jungen hingezogen zu fĂŒhlen. Ich wusste nur, dass dieser Action Man deutlich mehr Aufmerksamkeit bekam als meine anderen Spielsachen.

    Heute denke ich: Vielleicht war das mein erster kleiner, sicherer Raum, in dem ich MĂ€nnlichkeit bewundern durfte, ohne sie erklĂ€ren zu mĂŒssen.

    Ein paar Jahre spÀter kam Joshua Jackson.

    Genauer gesagt: Pacey Witter aus Dawson’s Creek.

    NatĂŒrlich fand ich ihn attraktiv. Aber viel wichtiger war etwas anderes. Er war nicht der klassische Held. Er war witzig, manchmal unsicher, machte Fehler und wirkte dadurch unglaublich echt.

    WĂ€hrend viele meiner Freundinnen fĂŒr Dawson schwĂ€rmten, war fĂŒr mich immer klar, dass Pacey der Interessantere war. Ich hĂ€tte damals wahrscheinlich behauptet, ich fĂ€nde ihn einfach cool. Heute weiss ich, dass “cool” oft einfach das Wort war, das ich fĂŒr GefĂŒhle benutzte, die ich noch nicht einordnen konnte.

    Kurz darauf folgte Tim Sander als Kai Scholl bei Gute Zeiten, schlechte Zeiten.

    Auch hier war es wieder nicht bloss das Aussehen. Es war diese Mischung aus Selbstbewusstsein und Verletzlichkeit. Rebellisch, aber sensibel. LĂ€ssig, aber nahbar.

    Und wenn ich ehrlich bin, erkenne ich heute noch etwas anderes: Schon damals hatten Skater bei mir praktisch automatisch einen Bonus. Diese Mischung aus Freiheit, Lockerheit und einem Hauch von “Ich mache mein eigenes Ding” fand ich unglaublich faszinierend.

    Wenn ich heute auf diese drei Crushes zurĂŒckblicke, erkenne ich ein Muster.

    Keiner von ihnen war der perfekte Held.

    Mich haben MĂ€nner angezogen, die Ecken und Kanten hatten. MĂ€nner, die Humor zeigten. Die verletzlich sein durften. Die nicht nur stark wirkten, sondern auch menschlich.

    Vielleicht erklÀrt das sogar ein bisschen, was mich bis heute an Menschen interessiert.

    Was mich an diesen Erinnerungen aber am meisten berĂŒhrt, ist etwas anderes.

    Wie frĂŒh wir oft schon wissen, wer wir sind.

    Nicht bewusst. Nicht in Worten. Sondern irgendwo zwischen Spielzeugkisten, Fernsehserien und Nachmittagen vor dem Bildschirm.

    Die eigene IdentitÀt kommt selten mit einem grossen Aha-Moment. Sie zeigt sich in kleinen Blicken. In Figuren, die uns lÀnger beschÀftigen als andere. In Menschen, bei denen wir plötzlich genauer hinschauen. Und oft dauert es Jahre, bis wir verstehen, warum.

    Deshalb musste ich lĂ€cheln, als ich diese Geschichten fĂŒr das Display Magazin aufgeschrieben habe.

    Sie handeln oberflÀchlich von einem Plastik-Soldaten und zwei Fernsehschauspielern.

    Eigentlich handeln sie aber davon, wie leise Selbstfindung beginnen kann. Und dass unser jĂŒngeres Ich manchmal schon sehr genau wusste, was unser erwachsenes Ich erst viel spĂ€ter verstehen wĂŒrde.

  • WertschĂ€tzung im Alltag leben

    WertschÀtzung im Alltag leben

    Im aktuellen Jahresbericht (Link zum PDF) der Stiftung Salome Brunner durfte ich als SozialpÀdagoge im Teilzeitinternat Wabern ein persönliches Statement zu den Werten meiner Arbeit abgeben. Das hat mich besonders gefreut, weil der Bericht nicht nur Zahlen und Entwicklungen zeigt, sondern vor allem sichtbar macht, was im Alltag einer sozialen und pÀdagogischen Institution wirklich zÀhlt: Menschen.  

    Die Stiftung begleitet heute rund 300 Kinder und Jugendliche mit Sprach- und LernbeeintrĂ€chtigungen an verschiedenen Standorten im Kanton Bern. Im Internat in Wabern leben und wohnen 16 Kinder und Jugendliche im Teilzeit- oder Wocheninternat.   Gerade dort entstehen viele intensive Begegnungen – oft geprĂ€gt von Vertrauen, Struktur, Emotionen und persönlicher Entwicklung.

    Mein Zitat im Jahresbericht lautet:

    «FĂŒr meine Arbeit im Internat sind Respekt und WertschĂ€tzung zentral. Die Kinder spĂŒren, dass sie mir wichtig sind, auch wenn ich einmal streng bin. Auch die Anliegen der Eltern nehme ich ernst. Schon mehrmals habe ich MĂŒttern und VĂ€tern beispielsweise aufzeigen können, dass auch Überforderung ein menschliches GefĂŒhl ist, wofĂŒr man sich nicht schĂ€men muss.»  

    Der Jahresbericht 2025 steht unter dem Gedanken, Werte im Alltag sichtbar zu machen. Begriffe wie Respekt, Sicherheit, Zusammenarbeit, Integration und WertschĂ€tzung ziehen sich durch den gesamten Bericht.   Besonders spannend fand ich beim Lesen, wie unterschiedlich Mitarbeitende aus verschiedensten Bereichen diese Werte leben – von der KĂŒche ĂŒber die ICT bis hin zur Therapie oder SozialpĂ€dagogik.

    Viele Aussagen im Bericht zeigen etwas, das ich aus meinem Alltag sehr gut kenne: Kinder brauchen sichere RĂ€ume, in denen sie ernst genommen werden. Die Gesamtleiterin Therese Zbinden beschreibt im Interview, dass WertschĂ€tzung weit ĂŒber Freundlichkeit hinausgeht. Es gehe darum, Kinder in ihrer kulturellen und familiĂ€ren Vielfalt wahr- und ernstzunehmen und Eltern auf Augenhöhe zu begegnen.   Genau das erlebe ich auch im Internat.

    Soziale Arbeit bedeutet fĂŒr mich nicht nur Betreuung. Es bedeutet Beziehung. Zuhören. Grenzen setzen. Sicherheit vermitteln. Manchmal auch schwierige GesprĂ€che fĂŒhren. Viele Kinder tragen bereits einen «Rucksack» mit sich, wie es im Bericht beschrieben wird. Die Stiftung möchte ihnen einen geschĂŒtzten Ort bieten, an dem sie Selbstvertrauen entwickeln und ihren Platz in der Gesellschaft finden können.  

    Besonders wichtig ist mir dabei auch die Zusammenarbeit mit Eltern. Familien stehen oft unter grossem Druck – organisatorisch, emotional und gesellschaftlich. Ich finde es wichtig, offen darĂŒber zu sprechen, dass Überforderung menschlich ist. Niemand muss perfekt funktionieren. Oft entsteht echte Zusammenarbeit erst dann, wenn Menschen sich verstanden fĂŒhlen statt bewertet.

    Der Bericht zeigt ausserdem, dass sich die Stiftung aktiv weiterentwickelt. 2025 wurde ein neues pĂ€dagogisches Entwicklungsprogramm gestartet, das die Haltung und die Zukunftsausrichtung der Stiftung stĂ€rken soll.   Gleichzeitig plant die Stiftung, 2026 ein neues Leitbild einzufĂŒhren.   Dass Werte dabei so stark im Mittelpunkt stehen, finde ich persönlich sehr wichtig.

    Ich bin dankbar, Teil dieser Institution zu sein – und Teil eines Teams, das tĂ€glich versucht, Kindern nicht nur Struktur und Förderung, sondern auch Menschlichkeit, Sicherheit und Vertrauen mitzugeben.

    Denn manchmal beginnt Entwicklung genau dort, wo jemand spĂŒrt:
    Du bist wichtig.

  • Warum ich mir das reMarkable Paper Pro Move gekauft habe

    Warum ich mir das reMarkable Paper Pro Move gekauft habe

    Weniger Apps, mehr Fokus: Warum ich mir das reMarkable Paper Pro Move gekauft habe

    Ich habe mir vor zwei Tagen das reMarkable Paper Pro Move gekauft, weil ich gemerkt habe, dass ich etwas anderes brauche. Etwas Ruhigeres. Etwas, das mich unterstĂŒtzt, statt stĂ€ndig Aufmerksamkeit von mir zu verlangen. Gerade mit ADHS merke ich schnell, wenn digitale Tools irgendwann mehr Energie kosten, als sie eigentlich sparen sollten.

    Das Lustige ist: Ich war selbst mitten daran, eine Tasklist-App zu entwickeln. Die Idee dahinter war gut, und ich finde das Konzept noch immer spannend. Aber wĂ€hrend ich daran gearbeitet habe, habe ich gleichzeitig gemerkt, dass selbst eine bewusst reduzierte ProduktivitĂ€ts-App fĂŒr meinen persönlichen Use Case nicht ganz das trifft, was ich eigentlich suche. Irgendwann ist selbst die beste App halt wieder eine App – mit MenĂŒs, Optionen, Einstellungen und dem kleinen Risiko, sich doch wieder in „ProduktivitĂ€t“ statt in der eigentlichen Aufgabe zu verlieren.

    Genau deshalb hat mich das reMarkable Paper Pro Move angesprochen. Kein App Store, keine Notifications, keine tausend Funktionen. Einfach schreiben, lesen und organisieren. Mehr nicht. Und genau dieses „Mehr nicht“ fĂŒhlt sich gerade ĂŒberraschend richtig an.

    NatĂŒrlich kann ich nach zwei Tagen noch kein endgĂŒltiges Fazit ziehen, aber ich merke jetzt schon, dass sich etwas verĂ€ndert. Gedanken landen schneller an einem Ort. Ich greife wieder öfter zum Stift. Ideen bleiben nicht mehr irgendwo zwischen Notizen-App, Handy und losem Papier hĂ€ngen. Das Schreiben fĂŒhlt sich direkter an und irgendwie bewusster, fast so, als wĂŒrde mein Kopf etwas langsamer werden dĂŒrfen.

    Was ich besonders spannend finde: Die Begrenzung wirkt nicht einschrĂ€nkend, sondern befreiend. Wir sind so daran gewöhnt, dass GerĂ€te immer mehr können mĂŒssen, aber ich habe langsam das GefĂŒhl, dass mein Gehirn eigentlich vom Gegenteil profitiert. Weniger Möglichkeiten bedeuten weniger Entscheidungen. Weniger Entscheidungen bedeuten weniger mentale Reibung. Und weniger mentale Reibung bedeutet oft mehr Fokus.

    Auch das Lesen fĂŒhlt sich anders an. Auf dem Handy verliere ich schnell die Konzentration, weil immer irgendetwas wartet. Hier gibt es nur den Text. Kein schnelles Wechseln zwischen Apps, keine kleinen Unterbrechungen. Einfach lesen.

    Vielleicht ist genau das der Punkt, der mich im Moment so anspricht: Das GerÀt versucht nicht, mich möglichst lange zu beschÀftigen. Es versucht nicht, meine Aufmerksamkeit festzuhalten. Es ist einfach da, wenn ich etwas festhalten oder lesen möchte, und verschwindet danach wieder in den Hintergrund.

    Und vielleicht ist das gerade fĂŒr ein ADHS-Gehirn gar keine so schlechte Idee.

  • Verhalten ist oft Kommunikation

    Verhalten ist oft Kommunikation

    Wenn Kinder laut werden, sich verweigern, impulsiv reagieren oder Regeln brechen, wird schnell ĂŒber Verhalten gesprochen. Das Kind ist schwierig. Das Kind ist anstrengend. Das Kind will nicht. Solche Zuschreibungen passieren schnell. Sie wirken klar, einfach und logisch. Gleichzeitig greifen sie oft zu kurz. Denn Verhalten ist nicht nur Verhalten. Sehr oft ist Verhalten eine Form von Kommunikation.

    Besonders bei Kindern gilt: Nicht alles, was wichtig ist, kann bereits in Worte gefasst werden. GefĂŒhle sind intensiv, BedĂŒrfnisse noch schwer greifbar und Frustrationstoleranz erst im Aufbau. Manche Kinder wissen selbst nicht genau, was in ihnen vorgeht. Sie spĂŒren nur, dass etwas zu viel, zu schnell, zu unfair oder zu unklar ist. Und dann zeigt es sich im Verhalten. Ein Kind wird laut, weil es ĂŒberfordert ist. Ein anderes provoziert, weil es Verbindung sucht. Ein Kind zieht sich zurĂŒck, weil es sich unsicher fĂŒhlt. Ein anderes lacht in unpassenden Momenten, weil Spannung irgendwohin muss. Von aussen sieht man oft nur die OberflĂ€che. Man sieht die Störung, nicht immer den Grund dahinter.

    Das bedeutet nicht, dass jedes Verhalten einfach akzeptiert werden muss. Grenzen bleiben wichtig. Regeln bleiben wichtig. Sicherheit bleibt wichtig. Aber die pÀdagogische Frage verÀndert sich, wenn man Verhalten auch als Kommunikation versteht. Dann fragt man nicht nur: Wie stoppe ich das? Sondern auch: Was will mir dieses Verhalten sagen?

    Diese Perspektive verĂ€ndert den Umgang mit Kindern grundlegend. Sie macht aus schnellen Urteilen neugierige Fragen. Aus Konfrontation kann Beziehung werden. Aus Strafe kann UnterstĂŒtzung werden. In meiner Arbeit erlebe ich immer wieder, wie stark Kinder davon profitieren, wenn Erwachsene nicht nur auf das sichtbare Verhalten reagieren, sondern versuchen, die Botschaft dahinter zu verstehen.

    Denn Kinder brauchen nicht nur Korrektur. Sie brauchen Erwachsene, die ĂŒbersetzen können. Manchmal heisst die Botschaft: Ich bin ĂŒberfordert. Ich brauche Sicherheit. Ich fĂŒhle mich ungesehen. Ich weiss nicht, wie ich es besser machen soll.

    Wenn wir lernen, Verhalten nicht nur zu bewerten, sondern zu lesen, entsteht etwas Wichtiges: die Chance auf echte Entwicklung. Denn VerĂ€nderung beginnt oft dort, wo ein Mensch sich verstanden fĂŒhlt.

  • Kleine Erfolge

    Kleine Erfolge

    In der SozialpĂ€dagogik sprechen wir oft ĂŒber grosse Ziele. Entwicklung, SelbststĂ€ndigkeit, Fortschritt. Diese Begriffe sind wichtig, aber im Alltag meiner Arbeit zeigen sich VerĂ€nderungen meistens anders.

    Sie beginnen klein.

    Ich arbeite mit Kindern in einem Internat einer Sprachheilschule. Viele dieser Kinder haben bereits erlebt, dass Dinge nicht so funktionieren wie bei anderen. Sprache ist schwierig. Wörter kommen nicht so schnell. SĂ€tze bleiben hĂ€ngen. Gedanken sind da, aber sie lassen sich nicht immer so ausdrĂŒcken, wie man es möchte.

    Das hat Konsequenzen, die weit ĂŒber Sprache hinausgehen.

    Wenn Kommunikation schwierig ist, entstehen schneller MissverstĂ€ndnisse. Frustration baut sich schneller auf. Konflikte eskalieren schneller. Ein Kind möchte vielleicht erklĂ€ren, warum es wĂŒtend ist oder was gerade unfair war – findet aber nicht die richtigen Worte. In solchen Momenten kann sich ein GefĂŒhl von Hilflosigkeit entwickeln.

    Und aus Hilflosigkeit entstehen manchmal Reaktionen, die von aussen schwer zu verstehen sind.

    Manche Kinder ziehen sich zurĂŒck. Andere werden laut oder impulsiv. Wieder andere versuchen, Situationen zu vermeiden, in denen sie sprechen mĂŒssen. Hinter all diesen Reaktionen steckt oft derselbe Kern: die Erfahrung, dass Kommunikation schwierig sein kann.

    Wenn ein Kind immer wieder erlebt, dass etwas nicht klappt, entsteht langsam eine innere Überzeugung. Die Überzeugung, dass es vielleicht besser ist, es gar nicht erst zu versuchen.

    Genau hier werden kleine Erfolge wichtig.

    Ein kleiner Erfolg kann etwas sehr Einfaches sein. Ein Kind schafft es, einen Satz fertig zu sagen, obwohl es zwischendurch stockt. Ein anderes versucht ein Wort noch einmal, nachdem es beim ersten Mal nicht funktioniert hat. Zwei Kinder geraten in einen Konflikt, aber statt sofort laut zu werden, bleibt ein Moment Zeit zum Reden.

    Von aussen betrachtet wirken solche Situationen oft unscheinbar. Sie gehen im Alltag fast unter. FĂŒr die betroffenen Kinder können sie jedoch eine grosse Bedeutung haben.

    Denn in diesen Momenten passiert etwas Entscheidendes: Ein Kind erlebt, dass etwas gelingt.

    Nicht perfekt. Nicht mĂŒhelos. Aber ausreichend.

    Diese Erfahrungen sind wichtig, weil sie langsam das Selbstbild verÀndern können. Wenn ein Kind merkt, dass etwas funktioniert, entsteht eine neue Möglichkeit zu denken: Vielleicht kann ich das doch.

    Diese VerĂ€nderung passiert selten plötzlich. Sie entwickelt sich leise, Schritt fĂŒr Schritt. Ein bisschen mehr Mut, etwas zu sagen. Ein bisschen mehr Vertrauen in die eigenen FĂ€higkeiten. Ein bisschen mehr Geduld mit sich selbst.

    In der sozialpÀdagogischen Arbeit bedeutet das oft, den Blick bewusst auf diese kleinen Fortschritte zu richten. Nicht nur auf das, was noch schwierig ist, sondern auch auf das, was bereits gelingt.

    Das bedeutet auch, Erwartungen so zu gestalten, dass Erfolgserlebnisse möglich werden. Nicht indem man Anforderungen reduziert, sondern indem man Situationen schafft, die erreichbar sind. Situationen, in denen Kinder erleben können, dass sich Anstrengung lohnt.

    Manchmal sind es genau diese kleinen Momente, die langfristig den grössten Unterschied machen.

    Ein Satz mehr als gestern.

    Ein Versuch mehr als letzte Woche.

    Ein Konflikt, der etwas ruhiger endet als beim letzten Mal.

    Aus solchen Erfahrungen entsteht langsam etwas Grösseres: Vertrauen in die eigene FÀhigkeit, Herausforderungen zu bewÀltigen.

    Vielleicht ist genau das eine der wichtigsten Aufgaben in der sozialpĂ€dagogischen Arbeit. RĂ€ume zu schaffen, in denen kleine Erfolge ĂŒberhaupt möglich sind.

    Denn VerĂ€nderung beginnt selten mit grossen DurchbrĂŒchen. Sie beginnt mit kleinen Schritten, die plötzlich zeigen: Es geht doch.

  • Wenn Energie nicht unendlich ist

    Wenn Energie nicht unendlich ist

    Lange Zeit habe ich – still und unhinterfragt – geglaubt, dass Energie etwas ist, das man immer noch ein bisschen weiter dehnen kann.

    Man ist mĂŒde, also zieht man durch.

    Man ist ĂŒberfordert, also reisst man sich zusammen.

    Ausruhen kann man spÀter.

    Diese Vorstellung ist ĂŒberall. Sie steckt in unserer Arbeitskultur, in unserem VerstĂ€ndnis von ProduktivitĂ€t, Motivation und sogar SelbstfĂŒrsorge. Streng dich mehr an. Sei diszipliniert. Erhol dich am Wochenende.

    Doch dieses Narrativ zerbricht in dem Moment, in dem Energie endlich wird – auf eine Weise, mit der man nicht verhandeln kann.

    Vor einiger Zeit wurde bei einer mir sehr nahestehenden Person ME/CFS diagnostiziert. Zu erleben, was diese Diagnose bedeutet, war ernĂŒchternd. Nicht nur wegen der Krankheit selbst, sondern auch wegen ihrer Unsichtbarkeit – und weil unsere alltĂ€glichen Systeme kaum eine Sprache dafĂŒr haben.

    Gleichzeitig beschĂ€ftige ich mich immer mehr damit, mich selbst als neurodivergente Person besser zu verstehen. Und auch wenn die Erfahrungen unterschiedlich sind, wurde mir schnell klar:

    Es gibt eine gemeinsame RealitĂ€t – begrenzte KapazitĂ€t.


    Der Irrglaube vom „einfach weniger machen“

    Oft sprechen wir ĂŒber Energieprobleme, als wĂ€re es eine Frage der Balance:

    „Mach halt ein bisschen weniger.“

    „Hör besser auf deinen Körper.“

    „Priorisiere anders.“

    Diese RatschlÀge gehen von einem stabilen Ausgangspunkt aus. Sie setzen voraus, dass sich alles wieder einpendelt, wenn man genug Pausen macht.

    FĂŒr viele Menschen ist das nicht die RealitĂ€t.

    Bei ME/CFS ist Energie nichts, was einfach „leer wird“. Sie kann komplett kippen, wenn eine unsichtbare Grenze ĂŒberschritten wird. Und die Konsequenzen zeigen sich nicht immer sofort. Man kann sich im Moment noch „okay“ fĂŒhlen – und Tage spĂ€ter dafĂŒr bezahlen.

    Auch bei vielen neurodivergenten Menschen ist KapazitĂ€t endlich, nur auf andere Weise. Kognitive Belastung. Soziales Maskieren. Sensorische Überreizung. Entscheidungserschöpfung. Nach aussen wirkt alles funktional, wĂ€hrend das innere System lĂ€ngst am Anschlag ist.

    In beiden FĂ€llen geht es nicht um fehlende Motivation.

    Es geht um Systeme, die unbegrenzte Energie voraussetzen.


    Was fehlt: eine Sprache fĂŒr Grenzen

    Eines der schwierigsten Dinge – sowohl bei chronischer Erkrankung als auch bei Neurodivergenz – ist nicht die Erschöpfung selbst, sondern das Fehlen einer gemeinsamen Sprache fĂŒr Grenzen.

    Wie erklÀrt man, dass:

    • ein „Nein“ heute nichts Emotionales ist, sondern strukturell?
    • eine kleine TĂ€tigkeit bedeuten kann, morgen gar nichts mehr zu können?
    • Ruhe kein Luxus ist, sondern Schadensbegrenzung?

    Ohne Sprache entsteht Schuld.

    Ohne Werkzeuge bleibt nur Raten.

    Ohne VerstÀndnis bleibt nur Durchhalten.

    Und genau dieses Durchhalten richtet oft Schaden an.


    Ich habe angefangen, etwas zu bauen – nicht um zu reparieren, sondern um wahrzunehmen

    Ich bin jemand, der Dinge baut. Wenn ich etwas nicht verstehe, versuche ich es zu strukturieren. Wenn etwas chaotisch wirkt, versuche ich, es sichtbar zu machen.

    Im Moment arbeite ich an etwas – ruhig, vorsichtig – nicht weil ich glaube, dass Technologie chronische Erkrankungen oder Neurodivergenz „lösen“ kann, sondern weil ich glaube, dass sie helfen kann, Muster zu erkennen, bevor sie wehtun.

    Es geht nicht um Optimierung.

    Es geht um Erlaubnis.

    Die Erlaubnis, aufzuhören, bevor etwas kippt.

    Die Erlaubnis, Energie als endlich zu behandeln – nicht als persönliches Versagen.

    Die Erlaubnis zu sagen: „Das war genug“, ohne sich rechtfertigen zu mĂŒssen.

    Ich tue das, weil ich gesehen habe, wie zerstörerisch es ist, wenn Grenzen ignoriert werden – von Systemen, von Arbeitswelten, von gut gemeinten Erwartungen und von uns selbst.

    Und ich tue es, weil ich weiss, wie schwer es als neurodivergente Person sein kann, den eigenen inneren Signalen zu vertrauen, wenn die Welt einem stÀndig sagt, dass sie falsch sind.


    Es geht nicht darum, sanfter mehr zu leisten – sondern sicher weniger

    Das ist ein feiner, aber entscheidender Unterschied.

    Viele Werkzeuge wollen helfen, mehr zu schaffen, ohne auszubrennen.

    Was oft fehlt, sind Werkzeuge, die helfen, gar nicht erst auszubrennen â€“ selbst wenn das bedeutet, weniger zu tun.

    Diese Verschiebung ist wichtig.

    Sie macht Ruhe zu einer Strategie.

    Sie macht Grenzen zu Information.

    Sie macht „energiearme“ Tage zu Daten – nicht zu Niederlagen.


    Ich habe keine fertigen Antworten – aber das Problem ist real

    Ich schreibe das nicht als Expert*in.

    Ich schreibe es als jemand, der langsam und manchmal schmerzhaft lernt, dass Energie nicht fĂŒr alle gleich funktioniert – und dass so zu tun, als wĂ€re sie es, echten Schaden anrichtet.

    Wenn dich das anspricht, bist du nicht kaputt.

    Und wenn nicht, hoffe ich trotzdem, dass es ein wenig Neugier und Empathie hinterlÀsst.

    Manche Menschen leben in einer Welt, in der sich Energie ĂŒber Nacht auffĂŒllt.

    Andere nicht.

    Es ist Zeit, dass unsere Werkzeuge – und unsere Erwartungen – das widerspiegeln.