Wenn ich heute auf meine ersten Jahre als Sozialpädagoge zurückblicke, fällt mir auf, dass ich mich verändert habe.
Nicht meine Haltung gegenüber Kindern oder Jugendlichen ist anders geworden. Mein Interesse an Pädagogik hat sich ebenfalls nicht geändert. Es ist die Art, wie ich arbeite.
Früher wollte ich vieles richtig machen. Ich wollte Konflikte lösen, gute Antworten geben und möglichst schnell helfen. Wenn jemand traurig war, wollte ich trösten. Wenn zwei Jugendliche stritten, wollte ich vermitteln. Wenn etwas nicht funktionierte, wollte ich eine Lösung finden.
Heute arbeite ich anders.
Das liegt nicht daran, dass ich weniger motiviert bin. Vielmehr habe ich gemerkt, dass gute Pädagogik oft bedeutet, etwas nicht zu tun.
Ich greife nicht sofort ein. Ich fülle nicht jede Stille aus. Ich löse nicht jede schwierige Situation.
Mit den Jahren habe ich gelernt, Menschen mehr zuzutrauen. Jugendliche können Konflikte manchmal selbst lösen. Frustration muss nicht immer vermieden werden. Entwicklung braucht Zeit und verläuft selten geradlinig.
Früher wollte ich manchmal helfen, obwohl keine Hilfe nötig war. Vielleicht brauchte es einfach jemanden, der da war, zuhörte und den Moment aushielt.
Diese Erkenntnis kam nicht von heute auf morgen. Sie entwickelte sich langsam durch Gespräche mit Kolleginnen und Kollegen, durch Fehler, durch Erfahrungen und vor allem durch die Menschen, die ich begleiten durfte.
Heute sehe ich meinen Beruf weniger als den eines Problemlösers. Ich betrachte ihn eher als den eines Vermittlers von Rahmenbedingungen. Ich schaffe einen Ort, an dem Menschen ausprobieren, scheitern, wachsen und wieder aufstehen können.
Das könnte der größte Unterschied zu früher sein.
Ich habe aufgehört zu glauben, dass gute Pädagogik bedeutet, immer die richtige Antwort zu kennen.
Heute glaube ich, dass es viel häufiger darum geht, die richtigen Fragen zu stellen, aufmerksam zu beobachten und Vertrauen zu schenken.
Vielleicht ist das der Grund, warum ich meinen Beruf heute mehr mag als vor zehn Jahren.