Hätte mir vor ein paar Jahren jemand gesagt, dass ich einmal meine Abende damit verbringen würde, Apps zu entwickeln, hätte ich vermutlich gelacht.

Ich bin kein Softwareentwickler. Ich habe keine Informatik studiert. Ich bin Sozialpädagoge. Programmieren war nie ein Berufswunsch und ehrlich gesagt auch kein Hobby, das mich besonders gereizt hat.

Ich hatte einfach Ideen.

Und irgendwann wurde mir klar: Wenn ich darauf warte, dass jemand anderes sie umsetzt, werden sie wahrscheinlich nie Realität. Also begann ich zu lernen. Tutorial für Tutorial. Fehler für Fehler. Kleine Erfolgserlebnisse dazwischen. Irgendwann stand tatsächlich meine erste App im App Store. Heute sind es mehrere. Das fühlt sich manchmal immer noch ziemlich unwirklich an.

Immer wieder werde ich gefragt, warum meine Apps nur für das iPhone erhältlich sind.

Die Antwort ist eigentlich ganz einfach: Ich entwickle lieber für iOS.

Ich weiss, dass das für Android-Nutzerinnen und -Nutzer nicht besonders erfreulich ist. Android hat weltweit den grösseren Marktanteil, erreicht deutlich mehr Menschen und bietet Entwicklerinnen und Entwicklern enorm viele Möglichkeiten. Für viele ist Android deshalb die logische Wahl.

Das verstehe ich vollkommen.

Aber wenn man alleine entwickelt und das Ganze neben einem Vollzeitjob macht, verschieben sich die Prioritäten. Dann geht es nicht nur darum, möglichst viele Menschen zu erreichen, sondern auch darum, wie viel Energie der Weg dorthin kostet.

Für mich spielt dabei Einfachheit eine grosse Rolle.

Apple stellt mit Xcode praktisch alles bereit, was ich zum Entwickeln brauche. Dort schreibe ich den Code, gestalte die Benutzeroberfläche, teste meine Apps und bereite sie für die Veröffentlichung vor. Natürlich ist Xcode nicht perfekt. Wahrscheinlich hat sich jede Person, die schon einmal für iOS entwickelt hat, mindestens einmal darüber aufgeregt. Trotzdem mag ich, dass fast alles an einem Ort passiert. Ich öffne Xcode, arbeite dort weiter, wo ich aufgehört habe, und kann mich auf die eigentliche Idee konzentrieren. Das klingt banal, macht aber einen riesigen Unterschied, wenn App-Entwicklung hauptsächlich in den Abendstunden und am Wochenende stattfindet.

Dazu kommt etwas, das auf den ersten Blick vielleicht etwas seltsam klingt: Ich mag es, dass Apple vergleichsweise wenige Geräte herstellt.

Als Käufer finde ich Auswahl grossartig. Als Entwickler bedeutet jedes zusätzliche Smartphone aber auch eine weitere Bildschirmgrösse, einen anderen Prozessor, eine andere Kamera, eine andere Android-Version und damit eine weitere Möglichkeit, dass irgendwo etwas nicht wie erwartet funktioniert.

Genau diese Vielfalt macht Android so spannend. Gleichzeitig macht sie die Entwicklung auch deutlich anspruchsvoller.

Apples Geräte unterscheiden sich natürlich ebenfalls voneinander. Aber sie folgen derselben Designsprache und verhalten sich erstaunlich konsistent. Dadurch verbringe ich weniger Zeit damit, Fehler auf bestimmten Geräten zu suchen, und mehr Zeit damit, darüber nachzudenken, ob eine Funktion überhaupt sinnvoll ist.

Auch beim Veröffentlichen einer App gefällt mir Apples Ansatz.

Über App Store Connect werden neue Versionen hochgeladen, Beta-Tester eingeladen, Screenshots verwaltet, Datenschutzeinstellungen festgelegt und alle Informationen gepflegt, die später im App Store angezeigt werden. Entwickler nennen diese Informationen «Metadaten». Gemeint ist im Grunde einfach alles, was zur App gehört, ohne die App selbst zu sein.

Auch dieses System ist nicht perfekt.

Aber ich empfinde es als angenehm aufgeräumt.

Und dann gibt es noch einen Punkt, den ich kaum verschweigen kann:

Ich nutze KI. Sehr viel sogar.

Nicht, damit sie meine Arbeit übernimmt. Sondern damit ich schneller ans Ziel komme.

Inzwischen gibt es dafür sogar einen Begriff: Vibecoding. Dabei beschreibt man einer KI, was man bauen möchte, erhält einen ersten Entwurf und arbeitet diesen anschliessend weiter aus. Man versteht den Code, verbessert ihn, korrigiert Fehler und entwickelt daraus Schritt für Schritt die eigentliche App.

Manche feiern diesen Ansatz. Andere halten überhaupt nichts davon.

Mir ist diese Diskussion ehrlich gesagt ziemlich egal.

Ohne KI hätte ich wahrscheinlich nie so viele Apps entwickeln können.

Interessanterweise habe ich ausserdem das Gefühl, dass KI mich beim Entwickeln von iPhone-Apps besser unterstützt als bei Android-Projekten. Ob das wirklich so ist, weiss ich nicht. Vielleicht liegt es daran, dass Apples Ökosystem stärker standardisiert ist. Vielleicht an Swift und der guten Dokumentation. Vielleicht ist es auch einfach mein persönlicher Eindruck.

Was auch immer der Grund ist: Beim Entwickeln für iOS habe ich deutlich seltener das Gefühl, gegen die KI arbeiten zu müssen.

Trotzdem möchte ich Android überhaupt nicht kleinreden.

Im Gegenteil.

Mir ist völlig bewusst, dass ich viele Menschen ausschliesse, wenn ich Apps nur für das iPhone veröffentliche. Weltweit nutzen mehr Menschen Android als iOS. Und ich finde den Gedanken schade, dass jemand eine meiner Apps entdeckt und sie dann gar nicht verwenden kann.

Mein Ziel war nie, Apps ausschliesslich für Apple-Nutzerinnen und -Nutzer zu entwickeln.

Ich möchte Dinge bauen, die Menschen nützlich finden.

Im Moment bin ich aber eine einzelne Person mit einem Vollzeitjob und begrenzter Zeit. Deshalb muss ich Prioritäten setzen. Und im Moment bedeutet das: zuerst iOS.

Das heisst allerdings nicht, dass Android für mich keine Rolle spielt. Schon heute versuche ich, Entscheidungen zu vermeiden, die eine Android-Version später unnötig erschweren würden. Sollte eine meiner Apps irgendwann grösser werden und mehr Menschen erreichen, wäre eine Android-Version sofort eine meiner höchsten Prioritäten.

Vielleicht lese ich diesen Beitrag in ein paar Jahren selbst wieder – während ich gleichzeitig eine iPhone- und eine Android-Version meiner Apps weiterentwickle.

Ich würde mich ehrlich gesagt freuen, wenn es so käme.

Bis dahin wirst du neue Ideen von mir aber wahrscheinlich weiterhin zuerst im App Store finden.