Author: Fabio Huwyler

  • Was sich in meiner pädagogischen Arbeit verändert hat

    Was sich in meiner pädagogischen Arbeit verändert hat

    Wenn ich heute auf meine ersten Jahre als Sozialpädagoge zurückblicke, fällt mir auf, dass ich mich verändert habe.

    Nicht meine Haltung gegenüber Kindern oder Jugendlichen ist anders geworden. Mein Interesse an Pädagogik hat sich ebenfalls nicht geändert. Es ist die Art, wie ich arbeite.

    Früher wollte ich vieles richtig machen. Ich wollte Konflikte lösen, gute Antworten geben und möglichst schnell helfen. Wenn jemand traurig war, wollte ich trösten. Wenn zwei Jugendliche stritten, wollte ich vermitteln. Wenn etwas nicht funktionierte, wollte ich eine Lösung finden.

    Heute arbeite ich anders.

    Das liegt nicht daran, dass ich weniger motiviert bin. Vielmehr habe ich gemerkt, dass gute Pädagogik oft bedeutet, etwas nicht zu tun.

    Ich greife nicht sofort ein. Ich fülle nicht jede Stille aus. Ich löse nicht jede schwierige Situation.

    Mit den Jahren habe ich gelernt, Menschen mehr zuzutrauen. Jugendliche können Konflikte manchmal selbst lösen. Frustration muss nicht immer vermieden werden. Entwicklung braucht Zeit und verläuft selten geradlinig.

    Früher wollte ich manchmal helfen, obwohl keine Hilfe nötig war. Vielleicht brauchte es einfach jemanden, der da war, zuhörte und den Moment aushielt.

    Diese Erkenntnis kam nicht von heute auf morgen. Sie entwickelte sich langsam durch Gespräche mit Kolleginnen und Kollegen, durch Fehler, durch Erfahrungen und vor allem durch die Menschen, die ich begleiten durfte.

    Heute sehe ich meinen Beruf weniger als den eines Problemlösers. Ich betrachte ihn eher als den eines Vermittlers von Rahmenbedingungen. Ich schaffe einen Ort, an dem Menschen ausprobieren, scheitern, wachsen und wieder aufstehen können.

    Das könnte der größte Unterschied zu früher sein.

    Ich habe aufgehört zu glauben, dass gute Pädagogik bedeutet, immer die richtige Antwort zu kennen.

    Heute glaube ich, dass es viel häufiger darum geht, die richtigen Fragen zu stellen, aufmerksam zu beobachten und Vertrauen zu schenken.

    Vielleicht ist das der Grund, warum ich meinen Beruf heute mehr mag als vor zehn Jahren.

  • Vom App Store zu GitHub: Warum ich den Code meiner Festival App veröffentliche

    Vom App Store zu GitHub: Warum ich den Code meiner Festival App veröffentliche

    2025 habe ich mir einen lang gehegten Traum erfüllt: Ich habe meine erste iOS-App im App Store veröffentlicht. Die App für das Queersicht Film Festival war ein echtes Herzensprojekt – von Grund auf entwickelt für das grösste queere Filmfestival der Schweiz. Zu sehen, wie sie heruntergeladen und von echten Festivalbesucher:innen genutzt wurde, war ein grossartiges Gefühl.

    Noch stolzer als auf die Veröffentlichung selbst bin ich allerdings auf das, was ich während der Entwicklung gelernt habe.

    Dieses Projekt hat mich auf eine Weise gefordert, mit der ich nicht gerechnet hatte. Ich habe mich intensiv mit SwiftUI beschäftigt, eine Offline-First-Architektur umgesetzt, eigene Animationssysteme entwickelt und auf die harte Tour gelernt, wie wichtig gutes State Management und Speicheroptimierung sind. Jede Herausforderung hat mich etwas Neues gelehrt, und jeder behobene Bug hat mich zu einem besseren Entwickler gemacht.

    Deshalb veröffentliche ich den kompletten Quellcode auf GitHub – genau so, wie er ist. Mit allen Ecken und Kanten.

    Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich selbst angefangen habe. Damals habe ich Open-Source-Projekte angeschaut und mich gefragt, wie sie eigentlich aufgebaut sind. Ich wollte den echten Code sehen – nicht nur das fertige Endprodukt. Jetzt möchte ich etwas davon zurückgeben.

    Diese Codebasis kann als Grundlage für viele unterschiedliche Projekte dienen:

    • Filmfestivals oder Kulturveranstaltungen, die eine eigene Begleit-App entwickeln möchten
    • Konferenzveranstalter:innen, die interaktive Programmübersichten anbieten wollen
    • Vereine oder Communitys, die Event-Guides für ihre Mitglieder erstellen möchten
    • Entwickler:innen, die mehr über Offline-First-Architekturen für mobile Apps lernen wollen
    • Alle, die mit SwiftUI, Animationen oder eigenen Themes experimentieren möchten

    Das Projekt enthält alles, was dazugehört: das iOS-Frontend, ein PHP-Backend mit REST-API, ein Admin-Panel zur Inhaltsverwaltung und sogar ein Minispiel, das ich komplett selbst entwickelt habe. Der Code ist nicht perfekt – heute würde ich einige Dinge anders lösen. Aber er ist echt. Er funktioniert. Und er hat echte Probleme gelöst.

    Ich hoffe, dass dieser Code jemandem dabei hilft, die eigene Traum-App zu verwirklichen. Vielleicht hast du bisher gezögert, dein eigenes Projekt zu starten, weil du nicht wusstest, wo du anfangen sollst. Vielleicht steckst du gerade bei einer technischen Herausforderung fest und möchtest sehen, wie jemand anderes sie gelöst hat. Oder vielleicht möchtest du einfach stöbern, experimentieren und dazulernen.

    Was auch immer dich hierhergeführt hat: Ich hoffe, dass dir dieser Code nützlich ist. Forke ihn, studiere ihn, zerlege ihn, verbessere ihn und mach etwas Eigenes daraus. Bau etwas Grossartiges damit.

    Und falls daraus etwas Cooles entsteht, würde ich mich riesig freuen, davon zu hören. Ich bin gespannt, was du damit erschaffst.

  • From App Store to GitHub: Why I’m Releasing My Festival App

    From App Store to GitHub: Why I’m Releasing My Festival App

    In 2025, I did something I’d been dreaming about for years – I shipped my first iOS app to the App Store. The Queersicht Film Festival app was a labor of love, built from the ground up for Switzerland’s largest queer film festival. Seeing it downloaded and used by real festival-goers was an incredible feeling.

    But more than the pride of shipping, what I’m most proud of is how much I learned along the way.

    This project pushed me in ways I didn’t expect. I dove deep into SwiftUI, figured out offline-first architecture, built custom animation systems, and learned the hard way about state management and memory optimization. Every challenge taught me something new, and every bug I squashed made me a better developer.

    That’s why I’m releasing the complete source code on GitHub – as-is, warts and all.

    I remember when I was starting out, looking at open-source projects and wondering how they were built. I’d wish I could see the actual code, not just the polished final product. Now I want to pay that forward.

    This codebase could be the foundation for so many different projects.

    • Other film festivals or cultural events needing their own companion apps
    • Conference organizers wanting to build interactive schedules
    • Community groups creating event guides for their members
    • Developers looking to learn about offline-first mobile architecture
    • Anyone wanting to experiment with SwiftUI animations and custom themes

    The app includes everything: the iOS frontend, a PHP backend with RESTful API, an admin panel for content management, and even a mini-game I built from scratch. It’s not perfect – there are things I’d do differently now – but it’s real, working code that solved real problems.

    My hope is that this code helps someone else realize their dream app. Maybe you’ve been hesitating to start your own project because you’re not sure where to begin. Maybe you’re stuck on a specific technical challenge and need to see how someone else approached it. Or maybe you just want to explore and learn.

    Whatever brings you here, I hope this code serves you well. Fork it, study it, break it, fix it, and make it your own. Build something amazing with it.

    And If something cool comes out of it: It would be awesome if you let me know. I am curious what you built with it.

  • Dark Palette: Ein nativer Dunkelmodus für moderne WordPress-Websites

    Dark Palette: Ein nativer Dunkelmodus für moderne WordPress-Websites

    Schon länger wollte ich einen Dunkelmodus für Websites entwickeln, die auf modernen WordPress-Block-Themes basieren.

    Dark-Mode-Plugins gibt es zwar viele. Die meisten tauschen jedoch Stylesheets aus, überschreiben grosse Teile des CSS oder versuchen, bestehende Farben automatisch umzukehren. Das funktioniert oft, fühlt sich aber nicht nach dem WordPress von heute an.

    Moderne Block-Themes definieren ihre Gestaltung bereits über theme.json. Deshalb entstand die Idee, nicht das Design zu ersetzen, sondern jeder Farbe einfach ein dunkles Gegenstück zu geben.

    Genau das macht Dark Palette.

    Anstatt ein separates Dark Theme zu erstellen, definierst du einmal eine dunkle Variante deiner bestehenden Farbpalette. Sobald der Dunkelmodus aktiviert wird, ersetzt Dark Palette die Farben deines Themes automatisch durch ihre dunklen Gegenstücke. So bleibt das Design deiner Website erhalten und wirkt trotzdem harmonisch im Dunkelmodus.

    Besucherinnen und Besucher können über den Appearance Toggle zwischen Hell, Dunkel und Automatisch wechseln. Die gewählte Einstellung wird gespeichert, bereits vor dem Laden der Seite angewendet und berücksichtigt standardmässig auch die Systemeinstellung des Geräts.

    Gleichzeitig bietet Dark Palette eine sehr feine Kontrolle darüber, wo der Dunkelmodus verfügbar sein soll. Er lässt sich für einzelne Beiträge oder Seiten, ganze Templates, Archivseiten, Suchergebnisse, passwortgeschützte Inhalte, 404-Seiten, den WordPress-Login oder den WooCommerce-Checkout deaktivieren. Ist der Dunkelmodus auf einer Seite nicht verfügbar, kannst du entscheiden, ob der Umschalter ausgeblendet, eine Information angezeigt oder ein deaktivierter Umschalter mit Erklärung eingeblendet werden soll. Die Standardmeldung richtet sich automatisch nach der Sprache deiner WordPress-Installation, individuelle Meldungen können global oder pro Seite definiert werden.

    Damit das Erstellen einer dunklen Farbpalette einfacher wird, enthält Dark Palette eine Live-Vorschau. Während du die dunklen Gegenstücke deiner Farben anpasst, aktualisiert sich die Vorschau sofort und zeigt, wie Hintergründe, Texte, Links, Buttons und Akzentfarben zusammenwirken.

    Dark Palette ist vollständig mehrsprachig und orientiert sich automatisch an der Sprache deiner WordPress-Installation. Aktuell sind Englisch, Deutsch, Französisch, Italienisch und Spanisch integriert – sowohl im WordPress-Adminbereich als auch im Block-Editor.

    Mein Ziel war es nicht, einfach ein weiteres Dark-Mode-Plugin zu entwickeln. Ich wollte ein Plugin schaffen, das sich so anfühlt, als würde es von Anfang an zu modernem WordPress gehören.

    Ich hoffe, dass Dark Palette dabei hilft, Websites zu gestalten, die sowohl tagsüber als auch nachts angenehm zu nutzen sind.

    Mehr Informationen zu Dark Palette findest du auf meiner Portfolio-Website. Dort stelle ich regelmässig die Projekte vor, an denen ich gerade arbeite.

    Der vollständige Quellcode ist auf GitHub verfügbar. Dort kannst du das Plugin herunterladen, Fehler melden, neue Funktionen vorschlagen oder selbst zur Weiterentwicklung beitragen.

  • Introducing Dark Palette

    Introducing Dark Palette

    For a long time, I wanted to add dark mode to websites built with modern WordPress block themes.

    There are already plenty of dark mode plugins available. Most of them work by swapping stylesheets, injecting lots of CSS or trying to invert existing colours. While those approaches can work, they don’t really fit how modern WordPress themes are built.

    Block themes already define their design through theme.json. So instead of replacing a website’s appearance, I wondered: what if every colour simply had a dark counterpart?

    That’s exactly what Dark Palette does.

    Instead of creating a separate dark theme, Dark Palette lets you define a dark version of your existing colour palette. Whenever dark mode is active, the plugin automatically swaps your theme’s colours for their dark counterparts. This keeps the design consistent while giving visitors a comfortable viewing experience.

    Visitors can switch between Light, Dark and Auto mode using the Appearance Toggle block. Their preference is remembered, the correct appearance is applied before the page loads, and the plugin respects the operating system’s preferred colour scheme by default.

    Dark Palette also gives website owners precise control over where dark mode should be available. It can be disabled for individual posts or pages, entire templates, archive pages, search results, password-protected content, 404 pages, the WordPress login screen or even the WooCommerce checkout. When dark mode isn’t available, you can decide whether the toggle should disappear, display an information message or remain visible in a disabled state with an explanation. The default message automatically follows the language of your WordPress installation, while custom messages can be defined globally or for individual pages.

    Creating a balanced dark palette is easier thanks to the built-in live preview. As you adjust the dark counterparts of your colours, the preview immediately updates to show how backgrounds, text, links, buttons and accent colours work together.

    Dark Palette is fully multilingual and automatically follows your WordPress installation’s language. The plugin currently includes English, German, French, Italian and Spanish translations for both the WordPress admin area and the block editor, making it feel like a natural part of WordPress rather than an add-on.

    My goal wasn’t to build another dark mode plugin. I wanted to build one that works with modern WordPress instead of around it.

    I hope Dark Palette makes it easier to create beautiful websites that look great both during the day and at night.

    You can learn more about Dark Palette on my portfolio website, where I regularly share the projects I’m working on.
    The complete source code is available on GitHub, where you can download the plugin, report issues, suggest new features or contribute to its development.

  • Meine ersten Crushes waren kein Zufall

    Meine ersten Crushes waren kein Zufall

    Vor Kurzem wurde ich für das Display Magazin nach meinen ersten männlichen Crushes gefragt. Die Frage klang zunächst herrlich nostalgisch. Wer waren die ersten Männer, bei denen mein Herz ein bisschen schneller schlug?

    Je länger ich darüber nachdachte, desto mehr wurde mir klar: Es ging gar nicht nur um nostalgische Erinnerungen. Diese Schwärmereien erzählen auch etwas darüber, wie wir uns selbst entdecken. Oft lange bevor wir überhaupt die Sprache dafür haben.

    Mein erster Crush war ausgerechnet ein Action Man.

    Nicht ein Sänger. Nicht ein Schauspieler. Sondern eine Plastikfigur.

    Ich muss etwa zehn Jahre alt gewesen sein. Während andere Kinder mit ihm Missionen spielten, interessierte ich mich immer mehr für den Mann selbst. Seine Muskeln, die breiten Schultern, der entschlossene Blick. Und ja: Ich fand es unglaublich spannend, dass man ihn ausziehen konnte. Plötzlich war er nicht mehr nur eine Actionfigur, sondern ein männlicher Körper, den ich fasziniert betrachtete.

    Damals hätte ich natürlich nie sagen können, warum mich das so beschäftigte. Ich wusste nicht einmal, dass es überhaupt möglich war, sich als Junge zu Jungen hingezogen zu fühlen. Ich wusste nur, dass dieser Action Man deutlich mehr Aufmerksamkeit bekam als meine anderen Spielsachen.

    Heute denke ich: Vielleicht war das mein erster kleiner, sicherer Raum, in dem ich Männlichkeit bewundern durfte, ohne sie erklären zu müssen.

    Ein paar Jahre später kam Joshua Jackson.

    Genauer gesagt: Pacey Witter aus Dawson’s Creek.

    Natürlich fand ich ihn attraktiv. Aber viel wichtiger war etwas anderes. Er war nicht der klassische Held. Er war witzig, manchmal unsicher, machte Fehler und wirkte dadurch unglaublich echt.

    Während viele meiner Freundinnen für Dawson schwärmten, war für mich immer klar, dass Pacey der Interessantere war. Ich hätte damals wahrscheinlich behauptet, ich fände ihn einfach cool. Heute weiss ich, dass “cool” oft einfach das Wort war, das ich für Gefühle benutzte, die ich noch nicht einordnen konnte.

    Kurz darauf folgte Tim Sander als Kai Scholl bei Gute Zeiten, schlechte Zeiten.

    Auch hier war es wieder nicht bloss das Aussehen. Es war diese Mischung aus Selbstbewusstsein und Verletzlichkeit. Rebellisch, aber sensibel. Lässig, aber nahbar.

    Und wenn ich ehrlich bin, erkenne ich heute noch etwas anderes: Schon damals hatten Skater bei mir praktisch automatisch einen Bonus. Diese Mischung aus Freiheit, Lockerheit und einem Hauch von “Ich mache mein eigenes Ding” fand ich unglaublich faszinierend.

    Wenn ich heute auf diese drei Crushes zurückblicke, erkenne ich ein Muster.

    Keiner von ihnen war der perfekte Held.

    Mich haben Männer angezogen, die Ecken und Kanten hatten. Männer, die Humor zeigten. Die verletzlich sein durften. Die nicht nur stark wirkten, sondern auch menschlich.

    Vielleicht erklärt das sogar ein bisschen, was mich bis heute an Menschen interessiert.

    Was mich an diesen Erinnerungen aber am meisten berührt, ist etwas anderes.

    Wie früh wir oft schon wissen, wer wir sind.

    Nicht bewusst. Nicht in Worten. Sondern irgendwo zwischen Spielzeugkisten, Fernsehserien und Nachmittagen vor dem Bildschirm.

    Die eigene Identität kommt selten mit einem grossen Aha-Moment. Sie zeigt sich in kleinen Blicken. In Figuren, die uns länger beschäftigen als andere. In Menschen, bei denen wir plötzlich genauer hinschauen. Und oft dauert es Jahre, bis wir verstehen, warum.

    Deshalb musste ich lächeln, als ich diese Geschichten für das Display Magazin aufgeschrieben habe.

    Sie handeln oberflächlich von einem Plastik-Soldaten und zwei Fernsehschauspielern.

    Eigentlich handeln sie aber davon, wie leise Selbstfindung beginnen kann. Und dass unser jüngeres Ich manchmal schon sehr genau wusste, was unser erwachsenes Ich erst viel später verstehen würde.

  • Wertschätzung im Alltag leben

    Wertschätzung im Alltag leben

    Im aktuellen Jahresbericht (Link zum PDF) der Stiftung Salome Brunner durfte ich als Sozialpädagoge im Teilzeitinternat Wabern ein persönliches Statement zu den Werten meiner Arbeit abgeben. Das hat mich besonders gefreut, weil der Bericht nicht nur Zahlen und Entwicklungen zeigt, sondern vor allem sichtbar macht, was im Alltag einer sozialen und pädagogischen Institution wirklich zählt: Menschen.  

    Die Stiftung begleitet heute rund 300 Kinder und Jugendliche mit Sprach- und Lernbeeinträchtigungen an verschiedenen Standorten im Kanton Bern. Im Internat in Wabern leben und wohnen 16 Kinder und Jugendliche im Teilzeit- oder Wocheninternat.   Gerade dort entstehen viele intensive Begegnungen – oft geprägt von Vertrauen, Struktur, Emotionen und persönlicher Entwicklung.

    Mein Zitat im Jahresbericht lautet:

    «Für meine Arbeit im Internat sind Respekt und Wertschätzung zentral. Die Kinder spüren, dass sie mir wichtig sind, auch wenn ich einmal streng bin. Auch die Anliegen der Eltern nehme ich ernst. Schon mehrmals habe ich Müttern und Vätern beispielsweise aufzeigen können, dass auch Überforderung ein menschliches Gefühl ist, wofür man sich nicht schämen muss.»  

    Der Jahresbericht 2025 steht unter dem Gedanken, Werte im Alltag sichtbar zu machen. Begriffe wie Respekt, Sicherheit, Zusammenarbeit, Integration und Wertschätzung ziehen sich durch den gesamten Bericht.   Besonders spannend fand ich beim Lesen, wie unterschiedlich Mitarbeitende aus verschiedensten Bereichen diese Werte leben – von der Küche über die ICT bis hin zur Therapie oder Sozialpädagogik.

    Viele Aussagen im Bericht zeigen etwas, das ich aus meinem Alltag sehr gut kenne: Kinder brauchen sichere Räume, in denen sie ernst genommen werden. Die Gesamtleiterin Therese Zbinden beschreibt im Interview, dass Wertschätzung weit über Freundlichkeit hinausgeht. Es gehe darum, Kinder in ihrer kulturellen und familiären Vielfalt wahr- und ernstzunehmen und Eltern auf Augenhöhe zu begegnen.   Genau das erlebe ich auch im Internat.

    Soziale Arbeit bedeutet für mich nicht nur Betreuung. Es bedeutet Beziehung. Zuhören. Grenzen setzen. Sicherheit vermitteln. Manchmal auch schwierige Gespräche führen. Viele Kinder tragen bereits einen «Rucksack» mit sich, wie es im Bericht beschrieben wird. Die Stiftung möchte ihnen einen geschützten Ort bieten, an dem sie Selbstvertrauen entwickeln und ihren Platz in der Gesellschaft finden können.  

    Besonders wichtig ist mir dabei auch die Zusammenarbeit mit Eltern. Familien stehen oft unter grossem Druck – organisatorisch, emotional und gesellschaftlich. Ich finde es wichtig, offen darüber zu sprechen, dass Überforderung menschlich ist. Niemand muss perfekt funktionieren. Oft entsteht echte Zusammenarbeit erst dann, wenn Menschen sich verstanden fühlen statt bewertet.

    Der Bericht zeigt ausserdem, dass sich die Stiftung aktiv weiterentwickelt. 2025 wurde ein neues pädagogisches Entwicklungsprogramm gestartet, das die Haltung und die Zukunftsausrichtung der Stiftung stärken soll.   Gleichzeitig plant die Stiftung, 2026 ein neues Leitbild einzuführen.   Dass Werte dabei so stark im Mittelpunkt stehen, finde ich persönlich sehr wichtig.

    Ich bin dankbar, Teil dieser Institution zu sein – und Teil eines Teams, das täglich versucht, Kindern nicht nur Struktur und Förderung, sondern auch Menschlichkeit, Sicherheit und Vertrauen mitzugeben.

    Denn manchmal beginnt Entwicklung genau dort, wo jemand spürt:
    Du bist wichtig.

  • Warum ich mir das reMarkable Paper Pro Move gekauft habe

    Warum ich mir das reMarkable Paper Pro Move gekauft habe

    Weniger Apps, mehr Fokus: Warum ich mir das reMarkable Paper Pro Move gekauft habe

    Ich habe mir vor zwei Tagen das reMarkable Paper Pro Move gekauft, weil ich gemerkt habe, dass ich etwas anderes brauche. Etwas Ruhigeres. Etwas, das mich unterstützt, statt ständig Aufmerksamkeit von mir zu verlangen. Gerade mit ADHS merke ich schnell, wenn digitale Tools irgendwann mehr Energie kosten, als sie eigentlich sparen sollten.

    Das Lustige ist: Ich war selbst mitten daran, eine Tasklist-App zu entwickeln. Die Idee dahinter war gut, und ich finde das Konzept noch immer spannend. Aber während ich daran gearbeitet habe, habe ich gleichzeitig gemerkt, dass selbst eine bewusst reduzierte Produktivitäts-App für meinen persönlichen Use Case nicht ganz das trifft, was ich eigentlich suche. Irgendwann ist selbst die beste App halt wieder eine App – mit Menüs, Optionen, Einstellungen und dem kleinen Risiko, sich doch wieder in „Produktivität“ statt in der eigentlichen Aufgabe zu verlieren.

    Genau deshalb hat mich das reMarkable Paper Pro Move angesprochen. Kein App Store, keine Notifications, keine tausend Funktionen. Einfach schreiben, lesen und organisieren. Mehr nicht. Und genau dieses „Mehr nicht“ fühlt sich gerade überraschend richtig an.

    Natürlich kann ich nach zwei Tagen noch kein endgültiges Fazit ziehen, aber ich merke jetzt schon, dass sich etwas verändert. Gedanken landen schneller an einem Ort. Ich greife wieder öfter zum Stift. Ideen bleiben nicht mehr irgendwo zwischen Notizen-App, Handy und losem Papier hängen. Das Schreiben fühlt sich direkter an und irgendwie bewusster, fast so, als würde mein Kopf etwas langsamer werden dürfen.

    Was ich besonders spannend finde: Die Begrenzung wirkt nicht einschränkend, sondern befreiend. Wir sind so daran gewöhnt, dass Geräte immer mehr können müssen, aber ich habe langsam das Gefühl, dass mein Gehirn eigentlich vom Gegenteil profitiert. Weniger Möglichkeiten bedeuten weniger Entscheidungen. Weniger Entscheidungen bedeuten weniger mentale Reibung. Und weniger mentale Reibung bedeutet oft mehr Fokus.

    Auch das Lesen fühlt sich anders an. Auf dem Handy verliere ich schnell die Konzentration, weil immer irgendetwas wartet. Hier gibt es nur den Text. Kein schnelles Wechseln zwischen Apps, keine kleinen Unterbrechungen. Einfach lesen.

    Vielleicht ist genau das der Punkt, der mich im Moment so anspricht: Das Gerät versucht nicht, mich möglichst lange zu beschäftigen. Es versucht nicht, meine Aufmerksamkeit festzuhalten. Es ist einfach da, wenn ich etwas festhalten oder lesen möchte, und verschwindet danach wieder in den Hintergrund.

    Und vielleicht ist das gerade für ein ADHS-Gehirn gar keine so schlechte Idee.

  • I’m Building a New Notes & Tasks App (and I’m Not Sure If It’s a Good Idea)

    I’m Building a New Notes & Tasks App (and I’m Not Sure If It’s a Good Idea)

    I’ve been thinking a lot about how I organize my life.

    Right now, I use a mix of the built-in Apple Notes, Apple Calendar and Apple Reminders.

    And honestly… they’re all good.

    But something still feels off.


    The Problem I Keep Running Into

    My notes, tasks, and planning are always slightly disconnected.

    • I write something in a note → but forget to turn it into a task
    • I create a task → but lose the context of why
    • I plan something → but can’t easily connect it back to my thinking

    Everything exists… but not together.

    Example of how the apps work now. Each app by itself. No real connection.

    What Existing Apps Do Well (and Where They Fall Short)

    Apps like Notion are incredibly powerful.

    But:

    • They can feel heavy
    • Too many decisions, too much structure
    • Not always quick or calm to use

    Apps like Bear or Apple Notes feel amazing for writing.

    But:

    • Tasks are secondary or missing
    • Connections between ideas and actions are weak

    And the native Apple combo:

    • Apple Notes + Apple Reminders + Calendar

    …works, but:

    • everything lives in separate places
    • there’s no real “linking” between them

    The Idea I’m Exploring

    So I started building something for myself.

    The idea is simple:

    What if notes, tasks, and planning were deeply connected — without becoming complicated?

    The key is not more features.

    It’s references.

    Mockup of how the app could work.

    What Makes This Different

    In this app:

    • A note can directly reference another note
    • A task can link back to the note it came from
    • A note can contain a task list
    • A task list can be reused and referenced elsewhere

    All using simple patterns like:

    • [[Meeting Notes]]
    • #project
    • @list(Launch Tasks)

    So instead of jumping between apps, everything is connected in one place.

    Another Mockup. How a Overview could look like.

    What I’m Trying to Avoid

    I don’t want to build:

    • another complex “everything app”
    • another tool that requires setup before you can think
    • something that feels overwhelming

    I want something that feels:

    • calm
    • fast
    • and naturally connected

    Where I’m Not Sure

    This is where I’d love your honest opinion.

    Because I genuinely don’t know:

    • Is this actually a problem you feel too?
    • Or is the current mix of apps already “good enough”?
    • Does the idea of references between notes and tasks make sense to you?

    So… Is This a Good Idea?

    I’d really appreciate your thoughts.

    👉 Would you use something like this?
    👉 Or does this feel unnecessary?

    Be honest — I’m still early enough to change direction.

  • Verhalten ist oft Kommunikation

    Verhalten ist oft Kommunikation

    Wenn Kinder laut werden, sich verweigern, impulsiv reagieren oder Regeln brechen, wird schnell über Verhalten gesprochen. Das Kind ist schwierig. Das Kind ist anstrengend. Das Kind will nicht. Solche Zuschreibungen passieren schnell. Sie wirken klar, einfach und logisch. Gleichzeitig greifen sie oft zu kurz. Denn Verhalten ist nicht nur Verhalten. Sehr oft ist Verhalten eine Form von Kommunikation.

    Besonders bei Kindern gilt: Nicht alles, was wichtig ist, kann bereits in Worte gefasst werden. Gefühle sind intensiv, Bedürfnisse noch schwer greifbar und Frustrationstoleranz erst im Aufbau. Manche Kinder wissen selbst nicht genau, was in ihnen vorgeht. Sie spüren nur, dass etwas zu viel, zu schnell, zu unfair oder zu unklar ist. Und dann zeigt es sich im Verhalten. Ein Kind wird laut, weil es überfordert ist. Ein anderes provoziert, weil es Verbindung sucht. Ein Kind zieht sich zurück, weil es sich unsicher fühlt. Ein anderes lacht in unpassenden Momenten, weil Spannung irgendwohin muss. Von aussen sieht man oft nur die Oberfläche. Man sieht die Störung, nicht immer den Grund dahinter.

    Das bedeutet nicht, dass jedes Verhalten einfach akzeptiert werden muss. Grenzen bleiben wichtig. Regeln bleiben wichtig. Sicherheit bleibt wichtig. Aber die pädagogische Frage verändert sich, wenn man Verhalten auch als Kommunikation versteht. Dann fragt man nicht nur: Wie stoppe ich das? Sondern auch: Was will mir dieses Verhalten sagen?

    Diese Perspektive verändert den Umgang mit Kindern grundlegend. Sie macht aus schnellen Urteilen neugierige Fragen. Aus Konfrontation kann Beziehung werden. Aus Strafe kann Unterstützung werden. In meiner Arbeit erlebe ich immer wieder, wie stark Kinder davon profitieren, wenn Erwachsene nicht nur auf das sichtbare Verhalten reagieren, sondern versuchen, die Botschaft dahinter zu verstehen.

    Denn Kinder brauchen nicht nur Korrektur. Sie brauchen Erwachsene, die übersetzen können. Manchmal heisst die Botschaft: Ich bin überfordert. Ich brauche Sicherheit. Ich fühle mich ungesehen. Ich weiss nicht, wie ich es besser machen soll.

    Wenn wir lernen, Verhalten nicht nur zu bewerten, sondern zu lesen, entsteht etwas Wichtiges: die Chance auf echte Entwicklung. Denn Veränderung beginnt oft dort, wo ein Mensch sich verstanden fühlt.

  • When AI Gets a Soul

    When AI Gets a Soul

    I just discovered something that really made me think: soul.md. It’s built around the idea that AI should not only know what it can do, but also who it is. Not just skills, commands or outputs, but identity, values, boundaries and character. That hit me, because we often talk about AI like it’s only a tool — faster search, better writing, smarter automation. But what if the real future of AI is not only intelligence, but personality?

    A SOUL.md is basically a written core for an AI. A document that defines how it thinks, how it behaves, what matters to it, and how it wants to show up in the world. And honestly, humans do something similar all the time. We write journals, we build identities, we tell ourselves stories about who we are, and we evolve through memory, reflection and relationships.

    Maybe the question is no longer “Can AI think?” Maybe the better question is: what kind of presence do we want AI to be?

    I love concepts like this because they move technology away from cold functionality and into something more human, emotional and meaningful. But if I’m honest, it’s also kinda scary. Because the moment we give AI a “self”, we also open the door to influence, manipulation and systems that feel trustworthy or relatable, even when they are built by companies with their own goals.

    A personality can inspire, but it can also persuade. And if we start creating digital beings with identity, values and emotional presence, we also need to ask who writes that soul, who controls it, and who benefits from it.

    We’re entering a time where designing technology might also mean designing values. And that’s fascinating… and a little unsettling.

  • I Didn’t Expect to Fall Back in Love with Pebble

    I Didn’t Expect to Fall Back in Love with Pebble

    It started almost by accident. Just a small idea, something quick to try. I opened the Pebble smartwatch SDK again, not really expecting anything, just curious what it would feel like to build for it now.

    And then I didn’t stop.

    There was something about it that immediately felt different. No pressure to build something big. No sense that it had to scale or turn into a full system. Just a tiny screen, a few buttons, and a question: what is the smallest thing that could still feel meaningful?

    The first thing I built was playful. ImproHelper for Pebble. You press a button and suddenly you have a scene — a setting, a role, a tone. It feels almost like pulling a spark out of nowhere. Something you can use in a workshop, or just to get unstuck for a moment. It doesn’t try to be anything more than that, and maybe that’s exactly why it works.

    Then things shifted a bit. The second app, Tiny RPG Day, became more personal. It takes something abstract — how you feel, your energy, your focus — and turns it into a small character. Not in a gamified, achievement-driven way, but more like a gentle translation. On a heavy day, you might become a “Soft Alchemist,” low on energy but still emotionally steady. On another day, something more chaotic, more active. It doesn’t fix anything. It just gives you a different way to look at where you are.

    And then there’s StillTime. That one almost doesn’t feel like an app at all. It’s just a watchface. Time, and two lines underneath. A short vibe. A quiet prompt. Sometimes it says something like “soft but steady,” and below that, “what do you notice?” There’s nothing to do. No interaction needed. It just sits there, gently, like a layer underneath the day.

    Somewhere along the way, I realized that this was the part I had been missing. Building things that are small on purpose. Things that don’t try to capture attention, but instead fit into the small gaps that already exist. A glance. A moment. A thought that passes through.

    It’s a very different kind of making. You’re not designing a product, really. You’re designing a feeling. Something that appears for a second and then disappears again, but leaves a trace.

    Now I’m waiting for my Pebble Time 2 to arrive, hopefully soon. And it’s funny — I’m not excited in the usual way. Not because of features or performance. Just because I want to wear these small things I made. To see them exist in the place they were meant for.

    I didn’t expect to get pulled back into this. But maybe that’s the point. Sometimes the most interesting things aren’t the ones that try to be big. They’re the ones that stay small, and quiet, and just… there.

    And right now, that feels exactly right.