Tag: Pädagogik

  • Verantwortung fühlt sich heute anders an

    Verantwortung fühlt sich heute anders an

    Vor ein paar Wochen habe ich die Zusage für eine neue Aufgabe erhalten: Nach den Sommerferien werde ich die Teamleitung des Internats an der Sprachheilschule Wabern übernehmen. Ich freue mich sehr darauf. Gleichzeitig merke ich aber auch, dass ich diese Vorfreude mit einer grossen Portion Respekt verbinde. Nicht, weil ich Angst vor der Aufgabe habe, sondern weil ich weiss, dass Führung immer auch bedeutet, Verantwortung für andere Menschen zu übernehmen. Und je näher der Start rückt, desto mehr denke ich darüber nach, was Verantwortung für mich eigentlich bedeutet.

    Das Spannende ist, dass dies nicht meine erste Führungsaufgabe ist. Vor vielen Jahren durfte ich bereits einmal ein kleines Team leiten. Damals war ich deutlich jünger und überzeugt, dass gute Führung vor allem bedeutet, kompetent zu wirken, Entscheidungen zu treffen und möglichst alles im Griff zu haben. Rückblickend war ich für diese Aufgabe noch nicht bereit. Nicht, weil ich ungeeignet gewesen wäre, sondern weil ich selbst noch auf der Suche nach meiner eigenen Sicherheit war. Ich wollte es allen recht machen, stellte meine eigenen Ansprüche oft über meine eigenen Grenzen und hatte ständig das Gefühl, beweisen zu müssen, dass ich diese Rolle verdiene. Irgendwann wurde mir klar, dass mich diese Aufgabe mehr Kraft kostete, als sie mir gab. Das einzugestehen war damals schwierig. Heute empfinde ich genau diese Erfahrung als eine der wertvollsten überhaupt.

    In den Jahren danach ist viel passiert. Ich habe weiter als Sozialpädagoge gearbeitet, Kinder und Jugendliche begleitet, Konflikte erlebt, schwierige Gespräche geführt und gelernt, dass Beziehungen fast nie so einfach sind, wie sie auf den ersten Blick erscheinen. Ich durfte neue Mitarbeitende begleiten, Projekte übernehmen, Verantwortung tragen und vor allem beobachten, was Teams stark macht – und was eben nicht. Dabei habe ich gemerkt, dass ich selbst ruhiger geworden bin. Ich muss nicht mehr auf alles sofort eine Antwort haben. Ich halte Unsicherheit besser aus als früher und weiss heute, dass man Vertrauen nicht dadurch gewinnt, dass man perfekt wirkt, sondern dadurch, dass man ehrlich, verlässlich und ansprechbar ist.

    Vielleicht ist genau das der grösste Unterschied zu meinem jüngeren Ich. Früher dachte ich, eine Führungsperson müsse möglichst viele Antworten kennen. Heute glaube ich, dass es oft wichtiger ist, die richtigen Fragen zu stellen. Früher wollte ich Probleme möglichst schnell lösen. Heute weiss ich, dass gute Lösungen häufig gemeinsam entstehen und dass Zuhören manchmal wertvoller ist als Reden.

    Ich weiss nicht, wie ich in ein paar Jahren auf diesen Blogbeitrag zurückblicken werde. Wahrscheinlich werde ich über einige Gedanken schmunzeln und andere ergänzen wollen. Vielleicht werde ich feststellen, dass ich gewisse Dinge völlig falsch eingeschätzt habe. Und ehrlich gesagt hoffe ich sogar, dass das so sein wird. Denn das würde bedeuten, dass ich weiter gelernt habe. Gute Führung ist für mich kein Zustand, den man irgendwann erreicht. Sie ist etwas, das sich ständig verändert – mit jeder Begegnung, jedem Fehler, jeder Rückmeldung und jeder neuen Erfahrung.

    Deshalb starte ich diese neue Aufgabe nicht mit dem Anspruch, alles richtig zu machen. Ich starte mit Neugier, mit Respekt vor der Verantwortung und mit dem Wunsch, gemeinsam mit meinem Team eine gute Arbeitskultur zu gestalten. Eine Kultur, in der man offen miteinander spricht, unterschiedliche Meinungen aushält, sich gegenseitig unterstützt und auch einmal sagen darf: «Ich weiss es gerade nicht.» Denn wenn ich in den letzten Jahren etwas gelernt habe, dann dies: Menschen erwarten keine perfekten Führungspersonen. Sie wünschen sich Menschen, denen sie vertrauen können.

    Und vielleicht ist genau das die wichtigste Erkenntnis, die ich aus meiner ersten Führungsrolle mitgenommen habe. Verantwortung bedeutet für mich heute nicht mehr, alles zu tragen. Verantwortung bedeutet, dafür zu sorgen, dass niemand das Gefühl hat, alles alleine tragen zu müssen.

  • Was sich in meiner pädagogischen Arbeit verändert hat

    Was sich in meiner pädagogischen Arbeit verändert hat

    Wenn ich heute auf meine ersten Jahre als Sozialpädagoge zurückblicke, fällt mir auf, dass ich mich verändert habe.

    Nicht meine Haltung gegenüber Kindern oder Jugendlichen ist anders geworden. Mein Interesse an Pädagogik hat sich ebenfalls nicht geändert. Es ist die Art, wie ich arbeite.

    Früher wollte ich vieles richtig machen. Ich wollte Konflikte lösen, gute Antworten geben und möglichst schnell helfen. Wenn jemand traurig war, wollte ich trösten. Wenn zwei Jugendliche stritten, wollte ich vermitteln. Wenn etwas nicht funktionierte, wollte ich eine Lösung finden.

    Heute arbeite ich anders.

    Das liegt nicht daran, dass ich weniger motiviert bin. Vielmehr habe ich gemerkt, dass gute Pädagogik oft bedeutet, etwas nicht zu tun.

    Ich greife nicht sofort ein. Ich fülle nicht jede Stille aus. Ich löse nicht jede schwierige Situation.

    Mit den Jahren habe ich gelernt, Menschen mehr zuzutrauen. Jugendliche können Konflikte manchmal selbst lösen. Frustration muss nicht immer vermieden werden. Entwicklung braucht Zeit und verläuft selten geradlinig.

    Früher wollte ich manchmal helfen, obwohl keine Hilfe nötig war. Vielleicht brauchte es einfach jemanden, der da war, zuhörte und den Moment aushielt.

    Diese Erkenntnis kam nicht von heute auf morgen. Sie entwickelte sich langsam durch Gespräche mit Kolleginnen und Kollegen, durch Fehler, durch Erfahrungen und vor allem durch die Menschen, die ich begleiten durfte.

    Heute sehe ich meinen Beruf weniger als den eines Problemlösers. Ich betrachte ihn eher als den eines Vermittlers von Rahmenbedingungen. Ich schaffe einen Ort, an dem Menschen ausprobieren, scheitern, wachsen und wieder aufstehen können.

    Das könnte der größte Unterschied zu früher sein.

    Ich habe aufgehört zu glauben, dass gute Pädagogik bedeutet, immer die richtige Antwort zu kennen.

    Heute glaube ich, dass es viel häufiger darum geht, die richtigen Fragen zu stellen, aufmerksam zu beobachten und Vertrauen zu schenken.

    Vielleicht ist das der Grund, warum ich meinen Beruf heute mehr mag als vor zehn Jahren.

  • Wertschätzung im Alltag leben

    Wertschätzung im Alltag leben

    Im aktuellen Jahresbericht (Link zum PDF) der Stiftung Salome Brunner durfte ich als Sozialpädagoge im Teilzeitinternat Wabern ein persönliches Statement zu den Werten meiner Arbeit abgeben. Das hat mich besonders gefreut, weil der Bericht nicht nur Zahlen und Entwicklungen zeigt, sondern vor allem sichtbar macht, was im Alltag einer sozialen und pädagogischen Institution wirklich zählt: Menschen.  

    Die Stiftung begleitet heute rund 300 Kinder und Jugendliche mit Sprach- und Lernbeeinträchtigungen an verschiedenen Standorten im Kanton Bern. Im Internat in Wabern leben und wohnen 16 Kinder und Jugendliche im Teilzeit- oder Wocheninternat.   Gerade dort entstehen viele intensive Begegnungen – oft geprägt von Vertrauen, Struktur, Emotionen und persönlicher Entwicklung.

    Mein Zitat im Jahresbericht lautet:

    «Für meine Arbeit im Internat sind Respekt und Wertschätzung zentral. Die Kinder spüren, dass sie mir wichtig sind, auch wenn ich einmal streng bin. Auch die Anliegen der Eltern nehme ich ernst. Schon mehrmals habe ich Müttern und Vätern beispielsweise aufzeigen können, dass auch Überforderung ein menschliches Gefühl ist, wofür man sich nicht schämen muss.»  

    Der Jahresbericht 2025 steht unter dem Gedanken, Werte im Alltag sichtbar zu machen. Begriffe wie Respekt, Sicherheit, Zusammenarbeit, Integration und Wertschätzung ziehen sich durch den gesamten Bericht.   Besonders spannend fand ich beim Lesen, wie unterschiedlich Mitarbeitende aus verschiedensten Bereichen diese Werte leben – von der Küche über die ICT bis hin zur Therapie oder Sozialpädagogik.

    Viele Aussagen im Bericht zeigen etwas, das ich aus meinem Alltag sehr gut kenne: Kinder brauchen sichere Räume, in denen sie ernst genommen werden. Die Gesamtleiterin Therese Zbinden beschreibt im Interview, dass Wertschätzung weit über Freundlichkeit hinausgeht. Es gehe darum, Kinder in ihrer kulturellen und familiären Vielfalt wahr- und ernstzunehmen und Eltern auf Augenhöhe zu begegnen.   Genau das erlebe ich auch im Internat.

    Soziale Arbeit bedeutet für mich nicht nur Betreuung. Es bedeutet Beziehung. Zuhören. Grenzen setzen. Sicherheit vermitteln. Manchmal auch schwierige Gespräche führen. Viele Kinder tragen bereits einen «Rucksack» mit sich, wie es im Bericht beschrieben wird. Die Stiftung möchte ihnen einen geschützten Ort bieten, an dem sie Selbstvertrauen entwickeln und ihren Platz in der Gesellschaft finden können.  

    Besonders wichtig ist mir dabei auch die Zusammenarbeit mit Eltern. Familien stehen oft unter grossem Druck – organisatorisch, emotional und gesellschaftlich. Ich finde es wichtig, offen darüber zu sprechen, dass Überforderung menschlich ist. Niemand muss perfekt funktionieren. Oft entsteht echte Zusammenarbeit erst dann, wenn Menschen sich verstanden fühlen statt bewertet.

    Der Bericht zeigt ausserdem, dass sich die Stiftung aktiv weiterentwickelt. 2025 wurde ein neues pädagogisches Entwicklungsprogramm gestartet, das die Haltung und die Zukunftsausrichtung der Stiftung stärken soll.   Gleichzeitig plant die Stiftung, 2026 ein neues Leitbild einzuführen.   Dass Werte dabei so stark im Mittelpunkt stehen, finde ich persönlich sehr wichtig.

    Ich bin dankbar, Teil dieser Institution zu sein – und Teil eines Teams, das täglich versucht, Kindern nicht nur Struktur und Förderung, sondern auch Menschlichkeit, Sicherheit und Vertrauen mitzugeben.

    Denn manchmal beginnt Entwicklung genau dort, wo jemand spürt:
    Du bist wichtig.

  • Verhalten ist oft Kommunikation

    Verhalten ist oft Kommunikation

    Wenn Kinder laut werden, sich verweigern, impulsiv reagieren oder Regeln brechen, wird schnell über Verhalten gesprochen. Das Kind ist schwierig. Das Kind ist anstrengend. Das Kind will nicht. Solche Zuschreibungen passieren schnell. Sie wirken klar, einfach und logisch. Gleichzeitig greifen sie oft zu kurz. Denn Verhalten ist nicht nur Verhalten. Sehr oft ist Verhalten eine Form von Kommunikation.

    Besonders bei Kindern gilt: Nicht alles, was wichtig ist, kann bereits in Worte gefasst werden. Gefühle sind intensiv, Bedürfnisse noch schwer greifbar und Frustrationstoleranz erst im Aufbau. Manche Kinder wissen selbst nicht genau, was in ihnen vorgeht. Sie spüren nur, dass etwas zu viel, zu schnell, zu unfair oder zu unklar ist. Und dann zeigt es sich im Verhalten. Ein Kind wird laut, weil es überfordert ist. Ein anderes provoziert, weil es Verbindung sucht. Ein Kind zieht sich zurück, weil es sich unsicher fühlt. Ein anderes lacht in unpassenden Momenten, weil Spannung irgendwohin muss. Von aussen sieht man oft nur die Oberfläche. Man sieht die Störung, nicht immer den Grund dahinter.

    Das bedeutet nicht, dass jedes Verhalten einfach akzeptiert werden muss. Grenzen bleiben wichtig. Regeln bleiben wichtig. Sicherheit bleibt wichtig. Aber die pädagogische Frage verändert sich, wenn man Verhalten auch als Kommunikation versteht. Dann fragt man nicht nur: Wie stoppe ich das? Sondern auch: Was will mir dieses Verhalten sagen?

    Diese Perspektive verändert den Umgang mit Kindern grundlegend. Sie macht aus schnellen Urteilen neugierige Fragen. Aus Konfrontation kann Beziehung werden. Aus Strafe kann Unterstützung werden. In meiner Arbeit erlebe ich immer wieder, wie stark Kinder davon profitieren, wenn Erwachsene nicht nur auf das sichtbare Verhalten reagieren, sondern versuchen, die Botschaft dahinter zu verstehen.

    Denn Kinder brauchen nicht nur Korrektur. Sie brauchen Erwachsene, die übersetzen können. Manchmal heisst die Botschaft: Ich bin überfordert. Ich brauche Sicherheit. Ich fühle mich ungesehen. Ich weiss nicht, wie ich es besser machen soll.

    Wenn wir lernen, Verhalten nicht nur zu bewerten, sondern zu lesen, entsteht etwas Wichtiges: die Chance auf echte Entwicklung. Denn Veränderung beginnt oft dort, wo ein Mensch sich verstanden fühlt.

  • Kleine Erfolge

    Kleine Erfolge

    In der Sozialpädagogik sprechen wir oft über grosse Ziele. Entwicklung, Selbstständigkeit, Fortschritt. Diese Begriffe sind wichtig, aber im Alltag meiner Arbeit zeigen sich Veränderungen meistens anders.

    Sie beginnen klein.

    Ich arbeite mit Kindern in einem Internat einer Sprachheilschule. Viele dieser Kinder haben bereits erlebt, dass Dinge nicht so funktionieren wie bei anderen. Sprache ist schwierig. Wörter kommen nicht so schnell. Sätze bleiben hängen. Gedanken sind da, aber sie lassen sich nicht immer so ausdrücken, wie man es möchte.

    Das hat Konsequenzen, die weit über Sprache hinausgehen.

    Wenn Kommunikation schwierig ist, entstehen schneller Missverständnisse. Frustration baut sich schneller auf. Konflikte eskalieren schneller. Ein Kind möchte vielleicht erklären, warum es wütend ist oder was gerade unfair war – findet aber nicht die richtigen Worte. In solchen Momenten kann sich ein Gefühl von Hilflosigkeit entwickeln.

    Und aus Hilflosigkeit entstehen manchmal Reaktionen, die von aussen schwer zu verstehen sind.

    Manche Kinder ziehen sich zurück. Andere werden laut oder impulsiv. Wieder andere versuchen, Situationen zu vermeiden, in denen sie sprechen müssen. Hinter all diesen Reaktionen steckt oft derselbe Kern: die Erfahrung, dass Kommunikation schwierig sein kann.

    Wenn ein Kind immer wieder erlebt, dass etwas nicht klappt, entsteht langsam eine innere Überzeugung. Die Überzeugung, dass es vielleicht besser ist, es gar nicht erst zu versuchen.

    Genau hier werden kleine Erfolge wichtig.

    Ein kleiner Erfolg kann etwas sehr Einfaches sein. Ein Kind schafft es, einen Satz fertig zu sagen, obwohl es zwischendurch stockt. Ein anderes versucht ein Wort noch einmal, nachdem es beim ersten Mal nicht funktioniert hat. Zwei Kinder geraten in einen Konflikt, aber statt sofort laut zu werden, bleibt ein Moment Zeit zum Reden.

    Von aussen betrachtet wirken solche Situationen oft unscheinbar. Sie gehen im Alltag fast unter. Für die betroffenen Kinder können sie jedoch eine grosse Bedeutung haben.

    Denn in diesen Momenten passiert etwas Entscheidendes: Ein Kind erlebt, dass etwas gelingt.

    Nicht perfekt. Nicht mühelos. Aber ausreichend.

    Diese Erfahrungen sind wichtig, weil sie langsam das Selbstbild verändern können. Wenn ein Kind merkt, dass etwas funktioniert, entsteht eine neue Möglichkeit zu denken: Vielleicht kann ich das doch.

    Diese Veränderung passiert selten plötzlich. Sie entwickelt sich leise, Schritt für Schritt. Ein bisschen mehr Mut, etwas zu sagen. Ein bisschen mehr Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Ein bisschen mehr Geduld mit sich selbst.

    In der sozialpädagogischen Arbeit bedeutet das oft, den Blick bewusst auf diese kleinen Fortschritte zu richten. Nicht nur auf das, was noch schwierig ist, sondern auch auf das, was bereits gelingt.

    Das bedeutet auch, Erwartungen so zu gestalten, dass Erfolgserlebnisse möglich werden. Nicht indem man Anforderungen reduziert, sondern indem man Situationen schafft, die erreichbar sind. Situationen, in denen Kinder erleben können, dass sich Anstrengung lohnt.

    Manchmal sind es genau diese kleinen Momente, die langfristig den grössten Unterschied machen.

    Ein Satz mehr als gestern.

    Ein Versuch mehr als letzte Woche.

    Ein Konflikt, der etwas ruhiger endet als beim letzten Mal.

    Aus solchen Erfahrungen entsteht langsam etwas Grösseres: Vertrauen in die eigene Fähigkeit, Herausforderungen zu bewältigen.

    Vielleicht ist genau das eine der wichtigsten Aufgaben in der sozialpädagogischen Arbeit. Räume zu schaffen, in denen kleine Erfolge überhaupt möglich sind.

    Denn Veränderung beginnt selten mit grossen Durchbrüchen. Sie beginnt mit kleinen Schritten, die plötzlich zeigen: Es geht doch.

  • Small Successes

    Small Successes

    In social pedagogy, we often talk about big goals. Development. Independence. Progress. These concepts are important, but in the everyday reality of my work, change usually looks different.

    It starts small.

    I work with children in a boarding setting at a speech and language school. Many of these children have already experienced that things do not work for them in the same way they seem to work for others. Language can be difficult. Words do not always come easily. Sentences get stuck. Thoughts are there, but expressing them is not always simple.

    And that affects much more than just speech.

    When communication is difficult, misunderstandings happen more quickly. Frustration builds faster. Conflicts escalate more easily. A child might want to explain why they are angry or what felt unfair in a situation, but they cannot find the words to say it.

    In those moments, a feeling of helplessness can emerge.

    And from helplessness, reactions often follow that are difficult to understand from the outside.

    Some children withdraw. Others become loud or impulsive. Some try to avoid situations where they might have to speak. Behind many of these reactions lies the same core experience: communication can feel like a struggle.

    If a child repeatedly experiences that things do not work, something else slowly develops — the belief that it might be better not to try at all.

    This is where small successes become important.

    A small success can be something very simple. A child manages to finish a sentence even though they hesitate in the middle. Another child tries to say a word again after it did not work the first time. Two children get into a conflict, but instead of immediately shouting, there is a moment where conversation becomes possible.

    From the outside, these moments can seem insignificant. They pass quickly in the flow of everyday life. But for the children themselves, they can mean a great deal.

    Because in these moments something important happens: a child experiences that something works.

    Not perfectly.

    Not effortlessly.

    But well enough.

    These experiences matter because they slowly begin to change how a child sees themselves. When something works, even in a small way, a new thought becomes possible: maybe I can do this after all.

    This kind of change rarely happens suddenly. It develops quietly, step by step. A little more courage to say something. A little more trust in one’s own abilities. A little more patience with oneself.

    In social pedagogical work, this often means consciously paying attention to these small moments of progress. Not only focusing on what is still difficult, but also noticing what is already working.

    It also means shaping expectations in a way that allows success to happen. Not by lowering standards, but by creating situations that are achievable. Situations in which children can experience that their effort leads somewhere.

    Sometimes these small moments are the ones that make the biggest difference in the long run.

    One more sentence than yesterday.

    One more attempt than last week.

    A conflict that ends a little calmer than the last one.

    From experiences like these, something bigger slowly grows: trust in one’s ability to face challenges.

    Perhaps that is one of the most important tasks in social pedagogical work — creating spaces where small successes can happen at all.

    Because real change rarely begins with big breakthroughs.

    It begins with small steps that suddenly show: it is possible after all.

  • Was Kinder von queeren Erwachsenen lernen können

    Was Kinder von queeren Erwachsenen lernen können

    Ich werde ab und zu gefragt, ob es „in Ordnung“ ist, mit Kindern über Queerness zu sprechen. Die eigentliche Frage dahinter ist oft eine andere: Was brauchen Kinder – und was können sie von queeren Erwachsenen lernen?

    Meine Antwort: Ehrlichkeit, Vielfalt und Sicherheit.

    Kinder brauchen echte Menschen

    Kinder brauchen keine perfekten Vorbilder. Sie brauchen echte. Menschen, die zu sich stehen, die zuhören, die Grenzen respektieren und bei denen sie merken: Hier darf ich ich sein.

    Wenn ich als queerer Erwachsener sichtbar bin – ohne mich zu erklären oder zu rechtfertigen –, entsteht etwas ganz Natürliches: Normalität durch Begegnung. Ich bin einfach da. Und das allein reicht oft schon.

    Kinder brauchen Sprache für Vielfalt

    Kinder wachsen in einer Welt auf, die vielfältig ist – ob sie’s benennen können oder nicht. Sie haben zwei Mamas, einen trans Cousin, eine nicht-binäre Lehrperson oder einfach Fragen, die im Raum stehen.

    Was sie brauchen, sind Worte. Nicht um „alles zu verstehen“, sondern um Dinge einordnen zu können. Um zu merken:

    „Ach so – das ist auch okay.“

    Wenn queere Erwachsene sichtbar und ansprechbar sind, entsteht Raum für diese Gespräche. Ohne Drama. Ohne Aufklärungsshow. Einfach im Alltag.

    Kinder brauchen keine fertigen Antworten, sondern offene Haltungen

    Kinder stellen manchmal unbequeme Fragen. Direkt. Ungeschminkt. Aber nie böse.

    Wenn ein Kind fragt: „Bist du ein Mann oder eine Frau?“ oder „Wieso küsst du einen Mann?“ – dann ist das keine Provokation. Es ist Neugier.

    Was sie dann brauchen, ist keine perfekte Definition. Sondern eine ruhige, ehrliche Haltung:

    „Ich bin einfach ich. Und das ist auch gut so.“

    Kinder spüren schnell: Was ist erlaubt? Was wird belächelt? Was wird gewürdigt?

    Wenn wir als queere Erwachsene nicht nur über Vielfalt sprechen, sondern sie leben, machen wir sie erfahrbar.

    Kinder brauchen queere Erwachsene – als Teil der Welt, nicht als Ausnahme

    Ob als Pädagog*innen, Nachbar*innen, Eltern, Künstler*innen oder einfach als Menschen:

    Unsere Sichtbarkeit ist kein Risiko – sie ist ein Geschenk.

    Kinder lernen durch Begegnung, nicht durch Ausschluss. Und sie brauchen genau das: Erwachsene, die unterschiedlich sind. Damit sie wissen, dass auch sie unterschiedlich sein dürfen.

    Wenn du queer bist und mit Kindern arbeitest (oder welche im Umfeld hast), möchte ich dir sagen:

    Du musst nicht alles wissen, nicht alles erklären. Du musst nur da sein. Und du selbst.
    Das ist mehr, als du vielleicht denkst.
    Und für manche Kinder: eine kleine Rettung.

  • Super Radio 8 – Thun 2023

    Super Radio 8 – Thun 2023

    8 Kinder aus der Region Thun haben an zwei Tagen intensiv Themen, Beiträge und gute Musik gesucht, aufgenommen, geschnitten und produziert.

    Das Ergebnis sind rund 40 Minuten Super Radio 8 mit Umfragen zu den Themen “Stars” und «”Tiere”, einem Quiz, Witzen, einem Interview mit einem Kinderschauspieler und einer Diskussion zum Thema “Waldbrände in Kanada”.

  • SuperRadioFerienpass (SRF5) – Ferienpass Untersiggenthal

    SuperRadioFerienpass (SRF5) – Ferienpass Untersiggenthal

    Im Rahmen eines eintägigen Radioworkshops haben acht Kinder in den Frühlingsferien eine Radiosendung gestaltet. Darin gibt es eine Umfrage, eine Toncollage, einen Buchtipp, Witze, eine selber geschriebene Geschichte und eine Diskussion zu Umweltschutz zu hören. Viel Spass!

  • Radio Red Panda | Ferienpass Langnau

    Radio Red Panda | Ferienpass Langnau

    Neun Kinder im Alter zwischen 9 und 13 Jahren haben an zwei Tagen im Rahmen des Ferienpass in Langnau iE gelernt, wie man Radio machen kann, was in eine Sendung gehört, was nicht und welche Arbeit dahinter steckt.

    Die Kinder haben unglaublich gut mitgemacht, waren konzentriert und motiviert dabei.
    Es hat wirklich Spass gemacht!