Vor kurzem ist meine Pebble Time 2 bei mir eingezogen. Und jetzt hat sie Gesellschaft bekommen: Seit heute trage ich zusÀtzlich den Pebble Index 01 am Finger.
Wobei «Smart Ring» hier vielleicht etwas falsche Erwartungen weckt. Denn wer beim Index 01 an einen Oura Ring denkt, liegt ziemlich daneben.
Der Ring misst keinen Puls. Er analysiert meinen Schlaf nicht. Er zĂ€hlt keine Schritte. Er kennt meinen Stresslevel nicht und versucht auch nicht herauszufinden, ob ich mich heute genĂŒgend bewegt habe.
Eigentlich kann er nur eine Sache:
Ich drĂŒcke einen Knopf und sage etwas, das ich nicht vergessen möchte.
Und genau deshalb finde ich ihn so spannend.
Ein Knopf gegen das Vergessen
Pebble bezeichnet den Index 01 als «External memory for your brain». Das klingt natĂŒrlich wunderbar nach Tech-Marketing â beschreibt die Idee aber erstaunlich gut.
Im Ring stecken unter anderem ein Mikrofon, Speicher, Bluetooth und ein physischer Knopf. Wenn mir etwas durch den Kopf geht, halte ich den Knopf gedrĂŒckt und spreche es aus.
«Denk daran, morgen Peter anzurufen.»
«Milch kaufen.»
«Idee fĂŒr einen Blogpost: Warum GerĂ€te nicht immer mehr Funktionen brauchen.»
Danach lasse ich den Knopf wieder los.
Die Aufnahme landet ĂŒber mein Smartphone in der Pebble-App, wird transkribiert und kann dort als Notiz oder Erinnerung weiterverarbeitet werden. Je nach Plattform und Konfiguration sind auch weitere Aktionen und Integrationen möglich.
Das Entscheidende daran ist fĂŒr mich aber gar nicht unbedingt, was danach passiert.
Es ist der Moment davor.
Ich muss mein Smartphone nicht aus der Tasche nehmen. Ich muss keine App öffnen. Ich muss nicht Siri aufrufen. Ich muss nicht zuerst entscheiden, wo ich diesen Gedanken eigentlich speichern möchte.
Knopf drĂŒcken. Sprechen. Fertig.
Technologie darf auch langweilig sein
Das gefÀllt mir generell an der neuen alten Pebble-Welt.
Die Pebble Time 2 versucht nicht, ein Smartphone fĂŒrs Handgelenk zu sein. Und der Index 01 versucht nicht einmal, eine besonders beeindruckende Smartwatch ohne Display zu sein.
Er ist ein Knopf mit Mikrofon an meinem Finger.
Das klingt fast absurd simpel.
Aber vielleicht ist genau das der Punkt.
Wir haben uns bei Technologie ziemlich daran gewöhnt, dass jedes neue GerÀt möglichst viel können muss. Ein Ring braucht plötzlich Gesundheitsfunktionen, Schlaftracking, KI-Auswertungen und möglichst viele Sensoren.
Pebble geht hier in die andere Richtung.
Der Index 01 hat nicht einmal einen Vibrationsmotor oder einen Lautsprecher. Er kann mir also nichts mitteilen. Er ist praktisch ausschliesslich ein EingabegerÀt.
Ich finde diese Idee faszinierend: Ein Gadget muss nicht möglichst viele Probleme lösen. Vielleicht reicht es, ein sehr kleines Problem so bequem zu lösen, dass ich das Gadget tatsÀchlich benutze.
Und ich muss ihn nicht aufladen
Noch ungewöhnlicher ist die Stromversorgung.
Der Index 01 wird nicht aufgeladen.
Gar nicht.
Pebble spricht von einer Batterielaufzeit von mehreren Jahren. Bei den bisherigen Tests wurden im Durchschnitt ungefÀhr eine Minute Gedanken pro Tag aufgenommen; bei einer solchen Nutzung rechnet Pebble derzeit mit rund drei Jahren Batterielaufzeit.
Danach ist allerdings Schluss. Die Batterie lÀsst sich nicht vom Benutzer austauschen oder wieder aufladen.
Das ist gleichzeitig eine der interessantesten und fragwĂŒrdigsten Designentscheidungen des Produkts.
Auf der einen Seite bedeutet es: Ich muss nie daran denken, meinen Ring aufzuladen. Und gerade bei einem GerĂ€t, dessen eigentliche StĂ€rke darin besteht, immer verfĂŒgbar zu sein, ergibt das Sinn. Ein externes GedĂ€chtnis hilft mir wenig, wenn es gerade auf dem Nachttisch am Ladekabel hĂ€ngt.
Auf der anderen Seite kaufe ich damit bewusst ein elektronisches GerÀt mit begrenzter Lebensdauer.
Ich weiss noch nicht, wie ich das langfristig finde.
Ein Mikrofon am Finger?
NatĂŒrlich gibt es noch einen anderen Punkt, der bei einem solchen Produkt sofort auffĂ€llt: Ich trage jetzt tatsĂ€chlich ein Mikrofon an meiner Hand.
Pebble hat sich deshalb fĂŒr eine ziemlich nachvollziehbare Lösung entschieden: Der Ring kann nur aufnehmen, solange der physische Knopf gedrĂŒckt wird.
Kein Wake Word. Kein stÀndig lauschendes Mikrofon.
Auch die Verarbeitung lÀsst sich besonders datensparsam konfigurieren. Pebble bietet inzwischen eine lokale Variante an, bei der sowohl Spracherkennung als auch KI-Verarbeitung auf dem Smartphone stattfinden können. Cloud-Backups sind ebenfalls optional.
Das ist fĂŒr mich ein wichtiger Unterschied zu der gerade entstehenden Kategorie von «AI Wearables», die möglichst viel von meinem Leben mitbekommen sollen.
Der Index 01 soll gerade nicht mein Leben aufzeichnen.
Er soll einen Gedanken auffangen, wenn ich ihn ihm bewusst gebe.
Eigentlich ziemlich passend fĂŒr mein Gehirn
Und wahrscheinlich ist das der Grund, weshalb mich das Konzept so anspricht.
Mein Problem ist selten, dass ich keine Möglichkeit hÀtte, etwas aufzuschreiben.
Ich habe ein Smartphone. Eine Smartwatch. Erinnerungen. Kalender. Notizen. To-do-Apps. Computer. Tablets.
An Möglichkeiten mangelt es wirklich nicht.
Das Problem sind die paar Sekunden zwischen:
«Oh, daran muss ich spÀter denken.»
und
«Was wollte ich gerade noch machen?»
Oder ich nehme das Smartphone hervor, um einen Gedanken festzuhalten, sehe eine Nachricht, beantworte sie, öffne noch kurz etwas anderes und fĂŒnf Minuten spĂ€ter habe ich vergessen, weshalb ich das Smartphone ĂŒberhaupt in der Hand halte.
Der Index 01 versucht nicht, dieses Problem mit einer besseren To-do-App zu lösen.
Er verkĂŒrzt einfach den Weg zwischen Gedanke und Festhalten des Gedankens.
Und das könnte tatsÀchlich funktionieren.
Noch ist das alles ziemlich Pebble
Man sollte allerdings nicht vergessen, dass der Index 01 ein Produkt der ersten Generation ist.
Pebble selbst kommuniziert das erstaunlich offen. Die Software sei neu und werde noch fĂŒr Monate oder sogar Jahre Fehler und Ecken haben. Auch erste Nutzerberichte zeigen: Die Grundidee scheint gut zu funktionieren, aber Software, Bedienung und Verarbeitung sind noch nicht ĂŒberall perfekt.
Das gehört momentan wohl zum Pebble-Erlebnis dazu.
Man kauft hier kein bis ins letzte Detail poliertes Produkt eines gigantischen Elektronikkonzerns.
Man kauft etwas, das ein bisschen experimentell ist.
DafĂŒr ist vieles offen. Die Pebble-App ist Open Source, und fortgeschrittene Nutzer können Aufnahmen oder Transkriptionen ĂŒber Webhooks und MCP sogar an eigene Systeme weiterreichen.
Und spĂ€testens an diesem Punkt beginnt mein Kopf natĂŒrlich bereits darĂŒber nachzudenken, was ich damit alles anstellen könnte.
Was vermutlich exakt das Gegenteil davon ist, einfach nur einen simplen Ring zu benutzen.
Pebble am Handgelenk und am Finger
Mit der Pebble Time 2 am Handgelenk und dem Index 01 am Finger habe ich jetzt jedenfalls eine ziemlich eigenartige Kombination kleiner Computer an meinem Körper.
Und irgendwie gefÀllt mir daran besonders, dass beide GerÀte nicht versuchen, möglichst unsichtbare Smartphones zu sein.
Die Pebble Time 2 ist eine Uhr.
Der Index 01 ist ein Knopf fĂŒr meine Gedanken.
Mehr muss er eigentlich nicht sein.
Ob dieser Knopf tatsĂ€chlich zu einem selbstverstĂ€ndlichen Teil meines Alltags wird, kann ich nach so kurzer Zeit natĂŒrlich noch nicht sagen. Vielleicht liegt der Ring irgendwann unbenutzt herum. Vielleicht nervt mich das Sprechen mit meiner Hand. Vielleicht stellt sich heraus, dass ich doch lieber schnell etwas auf meiner Uhr oder meinem Smartphone festhalte.
Oder vielleicht passiert genau das Gegenteil.
Vielleicht drĂŒcke ich irgendwann ganz selbstverstĂ€ndlich auf diesen kleinen Knopf, sobald ein Gedanke auftaucht, den mein zukĂŒnftiges Ich noch brauchen könnte.
Und dann wĂ€re «External memory for your brain» plötzlich gar kein so ĂŒbertriebener Werbespruch mehr.






