Tag: Queer

  • Zwei der besten queeren Serien überhaupt sind jetzt auf ARTE

    Zwei der besten queeren Serien überhaupt sind jetzt auf ARTE

    Es gibt schon lustige Zufälle. Mein Mann und ich haben in den letzten Wochen gerade alle vier Staffeln von Please Like Me durchgebinged. Und kaum sind wir fertig, kündigt ARTE an, dass nicht nur Please Like Me, sondern auch Josh Thomas’ Nachfolgeserie Everything’s Gonna Be Okay ab sofort kostenlos verfügbar sind.

    Falls ihr eine der beiden Serien noch nicht kennt: Das solltet ihr ändern. Für mich gehören sie zu den besten queeren Serien, die je gemacht wurden.

    Please Like Me erzählt vom jungen Josh, der sich mit Freundschaften, Familie, Liebe und dem Coming-out auseinandersetzt. Die Serie schafft etwas, das nur wenigen gelingt: Sie ist gleichzeitig urkomisch und herzzerreissend. Sie spricht über psychische Gesundheit, Beziehungen und das Erwachsenwerden mit einer Ehrlichkeit, die sich nie aufgesetzt anfühlt.

    Everything’s Gonna Be Okay führt diesen Ton weiter. Diesmal übernimmt Josh Thomas die Rolle von Nicholas, der nach dem Tod seines Vaters plötzlich Verantwortung für seine beiden Halbschwestern tragen muss. Die Serie erzählt feinfühlig von Familie, Neurodivergenz, queeren Identitäten und dem Versuch, das Leben irgendwie auf die Reihe zu bekommen – ohne dabei jemals den Humor zu verlieren.

    Was ich an beiden Serien besonders mag: Die Figuren wirken wie echte Menschen. Niemand ist perfekt. Niemand hat immer die richtige Antwort. Statt grosser Dramen stehen die kleinen, oft chaotischen Momente des Alltags im Mittelpunkt. Genau das macht sie so besonders.

    Dass jetzt beide Serien kostenlos bei ARTE zu sehen sind, ist eine wunderbare Gelegenheit, sie nachzuholen – oder, so wie wir, gleich noch einmal anzuschauen. Ich kann sie von Herzen empfehlen.

  • Vom App Store zu GitHub: Warum ich den Code meiner Festival App veröffentliche

    Vom App Store zu GitHub: Warum ich den Code meiner Festival App veröffentliche

    2025 habe ich mir einen lang gehegten Traum erfüllt: Ich habe meine erste iOS-App im App Store veröffentlicht. Die App für das Queersicht Film Festival war ein echtes Herzensprojekt – von Grund auf entwickelt für das grösste queere Filmfestival der Schweiz. Zu sehen, wie sie heruntergeladen und von echten Festivalbesucher:innen genutzt wurde, war ein grossartiges Gefühl.

    Noch stolzer als auf die Veröffentlichung selbst bin ich allerdings auf das, was ich während der Entwicklung gelernt habe.

    Dieses Projekt hat mich auf eine Weise gefordert, mit der ich nicht gerechnet hatte. Ich habe mich intensiv mit SwiftUI beschäftigt, eine Offline-First-Architektur umgesetzt, eigene Animationssysteme entwickelt und auf die harte Tour gelernt, wie wichtig gutes State Management und Speicheroptimierung sind. Jede Herausforderung hat mich etwas Neues gelehrt, und jeder behobene Bug hat mich zu einem besseren Entwickler gemacht.

    Deshalb veröffentliche ich den kompletten Quellcode auf GitHub – genau so, wie er ist. Mit allen Ecken und Kanten.

    Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich selbst angefangen habe. Damals habe ich Open-Source-Projekte angeschaut und mich gefragt, wie sie eigentlich aufgebaut sind. Ich wollte den echten Code sehen – nicht nur das fertige Endprodukt. Jetzt möchte ich etwas davon zurückgeben.

    Diese Codebasis kann als Grundlage für viele unterschiedliche Projekte dienen:

    • Filmfestivals oder Kulturveranstaltungen, die eine eigene Begleit-App entwickeln möchten
    • Konferenzveranstalter:innen, die interaktive Programmübersichten anbieten wollen
    • Vereine oder Communitys, die Event-Guides für ihre Mitglieder erstellen möchten
    • Entwickler:innen, die mehr über Offline-First-Architekturen für mobile Apps lernen wollen
    • Alle, die mit SwiftUI, Animationen oder eigenen Themes experimentieren möchten

    Das Projekt enthält alles, was dazugehört: das iOS-Frontend, ein PHP-Backend mit REST-API, ein Admin-Panel zur Inhaltsverwaltung und sogar ein Minispiel, das ich komplett selbst entwickelt habe. Der Code ist nicht perfekt – heute würde ich einige Dinge anders lösen. Aber er ist echt. Er funktioniert. Und er hat echte Probleme gelöst.

    Ich hoffe, dass dieser Code jemandem dabei hilft, die eigene Traum-App zu verwirklichen. Vielleicht hast du bisher gezögert, dein eigenes Projekt zu starten, weil du nicht wusstest, wo du anfangen sollst. Vielleicht steckst du gerade bei einer technischen Herausforderung fest und möchtest sehen, wie jemand anderes sie gelöst hat. Oder vielleicht möchtest du einfach stöbern, experimentieren und dazulernen.

    Was auch immer dich hierhergeführt hat: Ich hoffe, dass dir dieser Code nützlich ist. Forke ihn, studiere ihn, zerlege ihn, verbessere ihn und mach etwas Eigenes daraus. Bau etwas Grossartiges damit.

    Und falls daraus etwas Cooles entsteht, würde ich mich riesig freuen, davon zu hören. Ich bin gespannt, was du damit erschaffst.

  • From App Store to GitHub: Why I’m Releasing My Festival App

    From App Store to GitHub: Why I’m Releasing My Festival App

    In 2025, I did something I’d been dreaming about for years – I shipped my first iOS app to the App Store. The Queersicht Film Festival app was a labor of love, built from the ground up for Switzerland’s largest queer film festival. Seeing it downloaded and used by real festival-goers was an incredible feeling.

    But more than the pride of shipping, what I’m most proud of is how much I learned along the way.

    This project pushed me in ways I didn’t expect. I dove deep into SwiftUI, figured out offline-first architecture, built custom animation systems, and learned the hard way about state management and memory optimization. Every challenge taught me something new, and every bug I squashed made me a better developer.

    That’s why I’m releasing the complete source code on GitHub – as-is, warts and all.

    I remember when I was starting out, looking at open-source projects and wondering how they were built. I’d wish I could see the actual code, not just the polished final product. Now I want to pay that forward.

    This codebase could be the foundation for so many different projects.

    • Other film festivals or cultural events needing their own companion apps
    • Conference organizers wanting to build interactive schedules
    • Community groups creating event guides for their members
    • Developers looking to learn about offline-first mobile architecture
    • Anyone wanting to experiment with SwiftUI animations and custom themes

    The app includes everything: the iOS frontend, a PHP backend with RESTful API, an admin panel for content management, and even a mini-game I built from scratch. It’s not perfect – there are things I’d do differently now – but it’s real, working code that solved real problems.

    My hope is that this code helps someone else realize their dream app. Maybe you’ve been hesitating to start your own project because you’re not sure where to begin. Maybe you’re stuck on a specific technical challenge and need to see how someone else approached it. Or maybe you just want to explore and learn.

    Whatever brings you here, I hope this code serves you well. Fork it, study it, break it, fix it, and make it your own. Build something amazing with it.

    And If something cool comes out of it: It would be awesome if you let me know. I am curious what you built with it.

  • Meine ersten Crushes waren kein Zufall

    Meine ersten Crushes waren kein Zufall

    Vor Kurzem wurde ich für das Display Magazin nach meinen ersten männlichen Crushes gefragt. Die Frage klang zunächst herrlich nostalgisch. Wer waren die ersten Männer, bei denen mein Herz ein bisschen schneller schlug?

    Je länger ich darüber nachdachte, desto mehr wurde mir klar: Es ging gar nicht nur um nostalgische Erinnerungen. Diese Schwärmereien erzählen auch etwas darüber, wie wir uns selbst entdecken. Oft lange bevor wir überhaupt die Sprache dafür haben.

    Mein erster Crush war ausgerechnet ein Action Man.

    Nicht ein Sänger. Nicht ein Schauspieler. Sondern eine Plastikfigur.

    Ich muss etwa zehn Jahre alt gewesen sein. Während andere Kinder mit ihm Missionen spielten, interessierte ich mich immer mehr für den Mann selbst. Seine Muskeln, die breiten Schultern, der entschlossene Blick. Und ja: Ich fand es unglaublich spannend, dass man ihn ausziehen konnte. Plötzlich war er nicht mehr nur eine Actionfigur, sondern ein männlicher Körper, den ich fasziniert betrachtete.

    Damals hätte ich natürlich nie sagen können, warum mich das so beschäftigte. Ich wusste nicht einmal, dass es überhaupt möglich war, sich als Junge zu Jungen hingezogen zu fühlen. Ich wusste nur, dass dieser Action Man deutlich mehr Aufmerksamkeit bekam als meine anderen Spielsachen.

    Heute denke ich: Vielleicht war das mein erster kleiner, sicherer Raum, in dem ich Männlichkeit bewundern durfte, ohne sie erklären zu müssen.

    Ein paar Jahre später kam Joshua Jackson.

    Genauer gesagt: Pacey Witter aus Dawson’s Creek.

    Natürlich fand ich ihn attraktiv. Aber viel wichtiger war etwas anderes. Er war nicht der klassische Held. Er war witzig, manchmal unsicher, machte Fehler und wirkte dadurch unglaublich echt.

    Während viele meiner Freundinnen für Dawson schwärmten, war für mich immer klar, dass Pacey der Interessantere war. Ich hätte damals wahrscheinlich behauptet, ich fände ihn einfach cool. Heute weiss ich, dass “cool” oft einfach das Wort war, das ich für Gefühle benutzte, die ich noch nicht einordnen konnte.

    Kurz darauf folgte Tim Sander als Kai Scholl bei Gute Zeiten, schlechte Zeiten.

    Auch hier war es wieder nicht bloss das Aussehen. Es war diese Mischung aus Selbstbewusstsein und Verletzlichkeit. Rebellisch, aber sensibel. Lässig, aber nahbar.

    Und wenn ich ehrlich bin, erkenne ich heute noch etwas anderes: Schon damals hatten Skater bei mir praktisch automatisch einen Bonus. Diese Mischung aus Freiheit, Lockerheit und einem Hauch von “Ich mache mein eigenes Ding” fand ich unglaublich faszinierend.

    Wenn ich heute auf diese drei Crushes zurückblicke, erkenne ich ein Muster.

    Keiner von ihnen war der perfekte Held.

    Mich haben Männer angezogen, die Ecken und Kanten hatten. Männer, die Humor zeigten. Die verletzlich sein durften. Die nicht nur stark wirkten, sondern auch menschlich.

    Vielleicht erklärt das sogar ein bisschen, was mich bis heute an Menschen interessiert.

    Was mich an diesen Erinnerungen aber am meisten berührt, ist etwas anderes.

    Wie früh wir oft schon wissen, wer wir sind.

    Nicht bewusst. Nicht in Worten. Sondern irgendwo zwischen Spielzeugkisten, Fernsehserien und Nachmittagen vor dem Bildschirm.

    Die eigene Identität kommt selten mit einem grossen Aha-Moment. Sie zeigt sich in kleinen Blicken. In Figuren, die uns länger beschäftigen als andere. In Menschen, bei denen wir plötzlich genauer hinschauen. Und oft dauert es Jahre, bis wir verstehen, warum.

    Deshalb musste ich lächeln, als ich diese Geschichten für das Display Magazin aufgeschrieben habe.

    Sie handeln oberflächlich von einem Plastik-Soldaten und zwei Fernsehschauspielern.

    Eigentlich handeln sie aber davon, wie leise Selbstfindung beginnen kann. Und dass unser jüngeres Ich manchmal schon sehr genau wusste, was unser erwachsenes Ich erst viel später verstehen würde.

  • „Wer bin ich?“ – Ein Rückblick auf die Tagung zu Neurodivergenz und Geschlechtsidentität

    „Wer bin ich?“ – Ein Rückblick auf die Tagung zu Neurodivergenz und Geschlechtsidentität

    Am 13. März 2026 fand in Zürich eine wegweisende Tagung statt, die sich einer der komplexesten Fragen unserer Zeit widmete: Wie hängen neurobiologische Vielfalt und die Entwicklung der Geschlechtsidentität bei Kindern und Jugendlichen zusammen?. Unter dem Titel „Wer bin ich?“ beleuchteten Expertinnen aus Medizin, Psychologie und Pädagogik die Schnittmengen zweier Spektren, die in der klinischen Praxis und im Alltag immer mehr an Bedeutung gewinnen.

    Neurodiversität: Vielfalt statt Störung

    Der Begriff Neurodiversität beschreibt die natürliche Vielfalt der menschlichen Gehirnentwicklung. Neurodivergente Menschen – dazu gehören etwa Personen im Autismus-Spektrum, mit ADHS, Dyslexie oder Hochbegabung – verarbeiten Informationen anders, als es der gesellschaftlichen „Norm“ entspricht.

    Ein zentrales Anliegen der Tagung war die Entpathologisierung. Das Label „neurodivergent“ soll Betroffene entlasten: Weg vom reinen Störungsdenken, hin zur Akzeptanz neurologischer Merkmale, die oft von aussen nicht sichtbar sind, aber Wahrnehmung und soziale Interaktion tiefgreifend beeinflussen.

    Geschlechtsidentität im Wandel

    Parallel zur neurobiologischen Vielfalt hat sich unser Verständnis von Geschlecht gewandelt. Geschlecht ist ein Spektrum. Während früher Kategorien wie „homosexuell“ oder „transsexuell“ starr besetzt waren, definieren heutige Jugendliche ihre Identität oft aktiv und individuell, etwa als genderqueer, non-binär oder asexuell.

    Dabei ist wichtig zu verstehen:

    • Die Geschlechtsidentität (das innere Wissen, wer man ist) lässt sich nicht von aussen ablesen.
    • Die meisten Menschen entwickeln bereits früh eine Geschlechtskonstanz, doch im Jugendalter nehmen Schwankungen und die Zuordnung zum nicht-binären Spektrum zu.
    • Non-binäre Menschen identifizieren sich nicht oder nur teilweise mit den Kategorien „männlich“ oder „weiblich“.

    Wenn sich die Spektren treffen: Die Schnittmenge

    Ein Schwerpunkt der Tagung war die überzufällige Häufigkeit, mit der Neurodivergenz und Geschlechtsvarianz gemeinsam auftreten. Studien zeigen, dass etwa 9 % bis 11 % der Jugendlichen in Gendersprechstunden eine Autismus-Diagnose haben – ein Vielfaches im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung.

    Warum ist das so? Diskutiert werden verschiedene Erklärungsmodelle:

    1. Kognitiver Stil: Autistische Menschen orientieren sich oft weniger an sozialen Normen und hinterfragen Geschlechterrollen daher häufiger kritisch.
    2. Gemeinsame Vulnerabilität: Es könnten überlappende genetische oder neurobiologische Faktoren vorliegen.
    3. Minoritätenstress: Die Interaktion von Neurodivergenz und sozialer Ausgrenzung kann die Identitätsdissonanz verstärken.

    Besondere Herausforderungen und Schutzfaktoren

    Jugendliche, die an dieser Schnittstelle stehen, erleben oft einen doppelten Minoritätenstress. Das Risiko für psychische Belastungen, Angststörungen und Suizidalität ist besorgniserregend hoch. 50-70 % der trans Jugendlichen berichten von Suizidgedanken oder Selbstverletzungen.

    Als protektive Faktoren wurden vor allem eine gute Unterstützung durch die Familie und Peers sowie die soziale Transition (das Leben im Wunschgeschlecht) genannt.

    Was braucht es in der Begleitung?

    Für Fachpersonen und Eltern ergaben sich aus der Tagung klare Handlungsempfehlungen für einen sensiblen Umgang:

    • Ergebnisoffene Haltung: Unterstützung bedeutet nicht, eine Richtung vorzugeben, sondern den Prozess der Identitätsfindung zu validieren und Zeit zu lassen.
    • Anpassung der Kommunikation: Besonders bei autistischen Jugendlichen sind klare Strukturen, Reizreduktion und die Nutzung visueller Hilfsmittel entscheidend.
    • Inklusive Sprache: Die Verwendung der gewünschten Pronomen und Namen ist ein Akt des Respekts und der Sicherheit.
    • Validierung statt Skepsis: Die Sorgen der Eltern müssen ernst genommen werden, ohne dabei die Identität des Kindes zu relativieren.

    Fazit

    Neurodiversität und Geschlechtervielfalt sind keine Modediagnosen, sondern Ausdruck der menschlichen Vielfalt. Die Tagung machte deutlich: Wir müssen lernen, über den Tellerrand binärer Normen hinauszuschauen. Wenn wir Rahmenbedingungen anpassen und Stärken fokussieren, können wir Erfolgserlebnisse generieren und jungen Menschen helfen, ihren Platz in der Gesellschaft zu finden – genau so, wie sie sind.

    Quellen

    Nachfolgend sind die Quellen, die als Grundlage für den Blogbeitrag zur Tagung „Wer bin ich? Neurodivergenz und Geschlechtsidentität im Kinder- und Jugendalter“ (Zürich, 13.03.2026) dienten: 

    • Dr. med. univ. Cornelia Galanda: Neurodivergenz im Kindes- und Jugendalter mit Fokus auf Autismus und ADHS. Stiftung visoparents.
    • KD Dr. med. Dagmar Pauli: Trans, nicht-binär, gender-nonconforming. Was brauchen genderdiverse Kinder und Jugendliche aus medizinisch-therapeutischer Perspektive? Psychiatrische Universitätsklinik Zürich / Stiftung visoparents.
    • Evianne Hübscher: Geschlechtervielfalt – Nonbinarität: Die vielfältigen Dimensionen von Geschlecht. Geschlechter-Radar / Stiftung visoparents.
    • Tanja Schenker: Wenn Neurodivergenz und Geschlechtsvarianz zusammentreffen. Psychiatrische Universitätsklinik Zürich / Stiftung visoparents.

    Diese Unterlagen enthalten zudem zahlreiche Verweise auf internationale Studien (z. B. von Warrier et al., 2020 oder de Vries et al., 2014) sowie medizinische Klassifikationssysteme wie das ICD-11 und DSM-5, die die wissenschaftliche Basis der Tagung bilden.

  • Who am I? – A reflection on the conference on neurodivergence and gender identity

    Who am I? – A reflection on the conference on neurodivergence and gender identity

    On March 13, 2026, a groundbreaking conference took place in Zurich, addressing one of the most complex questions of our time:

    How are neurobiological diversity and the development of gender identity connected in children and adolescents?

    Under the title “Who am I?”, experts from medicine, psychology, and education explored the intersections of two spectra that are becoming increasingly relevant both in clinical practice and in everyday life.

    Neurodiversity: Diversity instead of disorder

    The term neurodiversity describes the natural variation in human brain development. Neurodivergent individuals — including those on the autism spectrum, with ADHD, dyslexia, or giftedness — process information differently from what is considered the societal “norm.”

    A central focus of the conference was depathologization. The label “neurodivergent” is intended to relieve those affected:

    moving away from a purely disorder-based perspective toward the acceptance of neurological traits that are often invisible from the outside, yet profoundly shape perception and social interaction.

    Gender identity in transition

    Alongside neurobiological diversity, our understanding of gender has evolved.

    Gender is a spectrum.

    Where categories such as “homosexual” or “transsexual” were once rigidly defined, today’s adolescents often actively and individually define their identities — for example as genderqueer, non-binary, or asexual.

    Important points to understand:

    • Gender identity (the internal sense of who one is) cannot be determined from the outside.
    • Most people develop gender constancy early on, but during adolescence, fluctuations and identification within the non-binary spectrum increase.
    • Non-binary individuals do not, or only partially, identify with the categories “male” or “female.”

    When the spectra meet: The intersection

    A key focus of the conference was the above-average co-occurrence of neurodivergence and gender diversity.

    Studies show that around 9% to 11% of adolescents in gender clinics have an autism diagnosis — a multiple compared to the general population.

    Why is this the case? Several explanatory models were discussed:

    1. Cognitive style: Autistic individuals often rely less on social norms and may therefore question gender roles more critically.
    2. Shared vulnerability: There may be overlapping genetic or neurobiological factors.
    3. Minority stress: The interaction of neurodivergence and social exclusion may intensify identity-related distress.

    Specific challenges and protective factors

    Young people at this intersection often experience double minority stress.

    The risk of psychological distress, anxiety disorders, and suicidality is alarmingly high.

    50–70% of trans adolescents report suicidal thoughts or self-harm.

    Key protective factors identified include:

    • strong support from family and peers
    • social transition (living in one’s affirmed gender)

    What is needed in support and care?

    For professionals and parents, the conference provided clear recommendations for a sensitive approach:

    • Open-ended attitude: Support does not mean steering in a specific direction, but validating the identity exploration process and allowing time.
    • Adapted communication: Especially for autistic adolescents, clear structures, reduced sensory input, and visual aids are crucial.
    • Inclusive language: Using a person’s chosen name and pronouns is an act of respect and safety.
    • Validation instead of skepticism: Parents’ concerns should be taken seriously — without invalidating the child’s identity.

    Conclusion

    Neurodiversity and gender diversity are not “trends” or “diagnostic fads,” but expressions of human diversity.

    The conference made one thing clear:

    We need to learn to look beyond binary norms.

    By adapting our frameworks and focusing on strengths, we can create opportunities for success and help young people find their place in society — exactly as they are.

    Sources

    The following sources formed the basis of this blog post on the conference:

    • Dr. med. univ. Cornelia Galanda: Neurodivergenz im Kindes- und Jugendalter mit Fokus auf Autismus und ADHS. Stiftung visoparents.
    • KD Dr. med. Dagmar Pauli: Trans, nicht-binär, gender-nonconforming. Was brauchen genderdiverse Kinder und Jugendliche aus medizinisch-therapeutischer Perspektive? Psychiatrische Universitätsklinik Zürich / Stiftung visoparents.
    • Evianne Hübscher: Geschlechtervielfalt – Nonbinarität: Die vielfältigen Dimensionen von Geschlecht. Geschlechter-Radar / Stiftung visoparents.
    • Tanja Schenker: Wenn Neurodivergenz und Geschlechtsvarianz zusammentreffen. Psychiatrische Universitätsklinik Zürich / Stiftung visoparents.

    These materials also include numerous references to international studies (e.g., Warrier et al., 2020; de Vries et al., 2014) as well as medical classification systems such as ICD-11 and DSM-5, which form the scientific foundation of the conference.

  • Warum es wichtiger ist, Freiwillige und Organisationen zu verbinden, als wir denken

    Warum es wichtiger ist, Freiwillige und Organisationen zu verbinden, als wir denken

    Freiwilligenarbeit wird oft als einfacher Austausch dargestellt: Zeit geben, Hilfe erhalten. In Wirklichkeit ist sie jedoch viel mehr als das. Sie ist einer der wenigen Bereiche, in denen individuelle Motivation auf gesellschaftlichen Bedarf trifft. Wo Menschen nicht nur Teil der Gesellschaft sind, sondern aktiv mitgestalten.

    Wenn Freiwillige und Organisationen auf sinnvolle Weise zusammenfinden, werden Gemeinschaften widerstandsfähiger. Menschen fühlen sich weniger isoliert, mehr gesehen und eher in der Lage, etwas Wertvolles beizutragen. Organisationen gewinnen nicht nur Unterstützung, sondern auch neue Perspektiven, Vielfalt und frische Energie. Diese Verbindungen schaffen soziales Gefuege – ein Gefüge, das trägt, wenn Systeme unter Druck geraten.

    Und doch ist Freiwilligenarbeit erstaunlich schwer zugänglich. Viele Menschen möchten sich engagieren, wissen aber nicht, wo sie anfangen sollen. Sie sorgen sich um Zeit, Verbindlichkeit, Relevanz oder darum, ob sie „qualifiziert genug“ sind. Gleichzeitig haben Organisationen oft Schwierigkeiten, Menschen zu erreichen, die wirklich zu ihrer Mission, ihren Werten und ihren Bedürfnissen passen. Das Ergebnis ist kein Mangel an Bereitschaft, sondern ein Mangel an Verbindung.

    Diese Lücke hat Folgen. Sie macht gesellschaftliches Engagement zu etwas, das fern oder überfordernd wirkt. Sie verstärkt die Vorstellung, dass Wirkung nur wenigen vorbehalten ist, statt etwas zu sein, an dem viele teilhaben können. Und sie lässt sowohl Freiwillige als auch Organisationen unter ihrem Potenzial bleiben, trotz ihrer gemeinsamen Ausrichtung.

    Aus gesellschaftlicher Sicht ist Freiwilligenarbeit einer der stärksten Faktoren für Vertrauen und Zugehörigkeit. Sie ermöglicht es Menschen, aus ihren gewohnten Rollen herauszutreten und sich ueber einen gemeinsamen Zweck zu begegnen. Besonders für marginalisierte Gemeinschaften kann freiwilliges Engagement eine Form von Sichtbarkeit, Selbstwirksamkeit und gegenseitiger Fürsorge sein. Es macht abstrakte Werte wie Solidaritaet und Inklusion erfahrbar.

    Was dabei oft im Weg steht, ist nicht fehlende Motivation, sondern fehlende Infrastruktur. Die Werkzeuge, mit denen Menschen mit Engagementmöglichkeiten verbunden werden, spiegeln selten wider, wie Menschen tatsächlich leben. Zeit ist begrenzt. Energie schwankt. Werte spielen eine Rolle. Menschen möchten helfen auf eine Weise, die stimmig, nachhaltig und menschlich ist.

    Ich denke viel darüber nach, was es bedeuten würde, diese Hürden zu senken. Freiwilligenarbeit weniger wie eine Verpflichtung wirken zu lassen und mehr wie eine Einladung. Verbindungen zu schaffen, die sowohl die Bedürfnisse von Organisationen als auch die Lebensrealitäten der Menschen respektieren, die sie unterstützen.

    Ich arbeite derzeit an etwas, das sich leise in diese Richtung bewegt. Es ist ein früher Versuch, neu zu denken, wie Freiwillige und Organisationen zueinander finden können – nicht indem Engagement eingefordert wird, sondern indem Verbindung einfacher, klarer und inklusiver wird. Mehr dazu folgt bald.

    Für den Moment ist dies vor allem eine Anerkennung dessen, warum die Verbindung selbst so wichtig ist. Denn wenn Menschen den richtigen Ort finden, um sich einzubringen, funktionieren Gemeinschaften nicht nur besser. Sie fühlen sich lebendiger an.

  • Was Kinder von queeren Erwachsenen lernen können

    Was Kinder von queeren Erwachsenen lernen können

    Ich werde ab und zu gefragt, ob es „in Ordnung“ ist, mit Kindern über Queerness zu sprechen. Die eigentliche Frage dahinter ist oft eine andere: Was brauchen Kinder – und was können sie von queeren Erwachsenen lernen?

    Meine Antwort: Ehrlichkeit, Vielfalt und Sicherheit.

    Kinder brauchen echte Menschen

    Kinder brauchen keine perfekten Vorbilder. Sie brauchen echte. Menschen, die zu sich stehen, die zuhören, die Grenzen respektieren und bei denen sie merken: Hier darf ich ich sein.

    Wenn ich als queerer Erwachsener sichtbar bin – ohne mich zu erklären oder zu rechtfertigen –, entsteht etwas ganz Natürliches: Normalität durch Begegnung. Ich bin einfach da. Und das allein reicht oft schon.

    Kinder brauchen Sprache für Vielfalt

    Kinder wachsen in einer Welt auf, die vielfältig ist – ob sie’s benennen können oder nicht. Sie haben zwei Mamas, einen trans Cousin, eine nicht-binäre Lehrperson oder einfach Fragen, die im Raum stehen.

    Was sie brauchen, sind Worte. Nicht um „alles zu verstehen“, sondern um Dinge einordnen zu können. Um zu merken:

    „Ach so – das ist auch okay.“

    Wenn queere Erwachsene sichtbar und ansprechbar sind, entsteht Raum für diese Gespräche. Ohne Drama. Ohne Aufklärungsshow. Einfach im Alltag.

    Kinder brauchen keine fertigen Antworten, sondern offene Haltungen

    Kinder stellen manchmal unbequeme Fragen. Direkt. Ungeschminkt. Aber nie böse.

    Wenn ein Kind fragt: „Bist du ein Mann oder eine Frau?“ oder „Wieso küsst du einen Mann?“ – dann ist das keine Provokation. Es ist Neugier.

    Was sie dann brauchen, ist keine perfekte Definition. Sondern eine ruhige, ehrliche Haltung:

    „Ich bin einfach ich. Und das ist auch gut so.“

    Kinder spüren schnell: Was ist erlaubt? Was wird belächelt? Was wird gewürdigt?

    Wenn wir als queere Erwachsene nicht nur über Vielfalt sprechen, sondern sie leben, machen wir sie erfahrbar.

    Kinder brauchen queere Erwachsene – als Teil der Welt, nicht als Ausnahme

    Ob als Pädagog*innen, Nachbar*innen, Eltern, Künstler*innen oder einfach als Menschen:

    Unsere Sichtbarkeit ist kein Risiko – sie ist ein Geschenk.

    Kinder lernen durch Begegnung, nicht durch Ausschluss. Und sie brauchen genau das: Erwachsene, die unterschiedlich sind. Damit sie wissen, dass auch sie unterschiedlich sein dürfen.

    Wenn du queer bist und mit Kindern arbeitest (oder welche im Umfeld hast), möchte ich dir sagen:

    Du musst nicht alles wissen, nicht alles erklären. Du musst nur da sein. Und du selbst.
    Das ist mehr, als du vielleicht denkst.
    Und für manche Kinder: eine kleine Rettung.

  • Queerness & Neurodiversity: When the World Doesn’t Fit, We Create Our Own

    Queerness & Neurodiversity: When the World Doesn’t Fit, We Create Our Own

    I’ve been thinking a lot about what it means to move through the world as both queer and neurodivergent. Not in the sense of fitting into neat definitions, but more like: what happens when your brain and your identity both push against the so-called “norm”?

    Spoiler: it’s exhausting. And also kind of powerful.

    There’s this unspoken rule that life follows a script—straight lines and clear roles. But queerness bends that script. Neurodivergence often throws it out the window entirely. And while that can be frustrating (especially when trying to do something as “simple” as sending an email or attending a birthday party), it also opens space for questioning things at a deeper level.

    Like, why do we expect everyone to thrive under the same systems? Why do we equate productivity with worth? Why is masking—whether it’s hiding your stimming or your sexuality—so often rewarded?

    For me, queerness and neurodiversity aren’t separate boxes. They influence each other. Being neurodivergent means I experience emotions in a very intense way. Being queer means I’ve had to figure out how to be myself in a world that didn’t always offer me examples how to do that. Together, they’ve made me more intentional about how I create space for myself—and for others.

    I think that’s why I’m so interested in building tools, spaces, and stories that reflect our complexity. Queer, neurodivergent lives deserve more than just tolerance—we deserve representation, accessibility, and joy. We deserve to see ourselves not just as people who need to adapt, but as people who innovate—who reimagine, remix, and reinvent what a good life can look like.

    So yeah. Maybe the world doesn’t always fit us. But we’re pretty good at creating new ones.

    What do you think?

  • bern.lgbt: «Mir geht’s besser, wenn ich ein «Projektli» am laufen habe»

    bern.lgbt: «Mir geht’s besser, wenn ich ein «Projektli» am laufen habe»

    Seit kurzem unterstützt Fabio Huwyler im Ressort Kommunikation Sasha Hug und zeichnet für den Newsletter und für die Webseite verantwortlich. Für Fabio stimmen männliche Pronomen, er wird in diesem Jahr 36, ist im Kanton Zug aufgewachsen und lebt zusammen mit seinem Partner in der Stadt Bern.

  • Mit QueerUp Radio Live von der Bern Pride

    Mit QueerUp Radio Live von der Bern Pride

    Gestern, am 29. Juli 2023, durfte ich endlich mal wieder hinters Moderationsmik sitzen. QueerUp Radio, die Sendung die ich zwischen 2011 und 2021 mitmoderieren durfte, sendete LIVE vom Bundesplatz, wo die Bern Pride stattfand.

    Es war ein unglaublich tolles Erlebnis und ich hatte total viel Spass.

  • Mein Abschied von QueerUp Radio

    Mein Abschied von QueerUp Radio

    Nach 10 Jahren verabschiedete ich mich am 19. Dezember 2021 von QueerUp Radio.
    Für mich war schon lange klar, dass mein Herz nicht mehr so fest fürs Radio schlägt.
    In den vergangenen Jahren sind die Radiokurse, welche ich für klipp+klang machen darf, sowie das HAZ-Magazin immer wichtiger für mich geworden.

    Ich habe es immer genossen, Menschen eine Stimme zu geben und spannende Persönlichkeiten kennen zu lernen.

    Jetzt freue ich mich auf die Zukunft in der ich auf meinen Erfahrungen aufbauen und auch von ihnen profitieren kann.

    Neben dem Quartalstalk nahm ich mir in der zweiten und allerletzten Stunde Zeit, mich zu verabschieden und bekam weiter noch einen Überraschungsbesuch vom QueerUp Radio Vorstand.

    Die Überraschung