Tag: Neurodiversity

  • Zwei der besten queeren Serien überhaupt sind jetzt auf ARTE

    Zwei der besten queeren Serien überhaupt sind jetzt auf ARTE

    Es gibt schon lustige Zufälle. Mein Mann und ich haben in den letzten Wochen gerade alle vier Staffeln von Please Like Me durchgebinged. Und kaum sind wir fertig, kündigt ARTE an, dass nicht nur Please Like Me, sondern auch Josh Thomas’ Nachfolgeserie Everything’s Gonna Be Okay ab sofort kostenlos verfügbar sind.

    Falls ihr eine der beiden Serien noch nicht kennt: Das solltet ihr ändern. Für mich gehören sie zu den besten queeren Serien, die je gemacht wurden.

    Please Like Me erzählt vom jungen Josh, der sich mit Freundschaften, Familie, Liebe und dem Coming-out auseinandersetzt. Die Serie schafft etwas, das nur wenigen gelingt: Sie ist gleichzeitig urkomisch und herzzerreissend. Sie spricht über psychische Gesundheit, Beziehungen und das Erwachsenwerden mit einer Ehrlichkeit, die sich nie aufgesetzt anfühlt.

    Everything’s Gonna Be Okay führt diesen Ton weiter. Diesmal übernimmt Josh Thomas die Rolle von Nicholas, der nach dem Tod seines Vaters plötzlich Verantwortung für seine beiden Halbschwestern tragen muss. Die Serie erzählt feinfühlig von Familie, Neurodivergenz, queeren Identitäten und dem Versuch, das Leben irgendwie auf die Reihe zu bekommen – ohne dabei jemals den Humor zu verlieren.

    Was ich an beiden Serien besonders mag: Die Figuren wirken wie echte Menschen. Niemand ist perfekt. Niemand hat immer die richtige Antwort. Statt grosser Dramen stehen die kleinen, oft chaotischen Momente des Alltags im Mittelpunkt. Genau das macht sie so besonders.

    Dass jetzt beide Serien kostenlos bei ARTE zu sehen sind, ist eine wunderbare Gelegenheit, sie nachzuholen – oder, so wie wir, gleich noch einmal anzuschauen. Ich kann sie von Herzen empfehlen.

  • Mein Gehirn behandelt neue Interessen wie Notfälle

    Mein Gehirn behandelt neue Interessen wie Notfälle

    Ich weiss nicht genau, wann es passiert, aber plötzlich ist ein neues Thema da. Und ab diesem Moment verhält sich mein Gehirn so, als gäbe es absolut nichts Wichtigeres mehr auf der Welt.

    Normale Menschen entdecken vielleicht ein neues Hobby und denken sich: „Interessant, das probiere ich irgendwann mal aus.“
    Mein Gehirn reagiert eher wie:
    „Wir müssen sofort alles darüber wissen. Sofort.“

    Dann beginnt eine sehr spezifische Phase. YouTube-Videos werden geschaut, Reddit-Threads gelesen, Webseiten verglichen und plötzlich weiss ich mehr über ein Thema, das mich gestern noch überhaupt nicht interessiert hat, als eigentlich notwendig wäre.

    Das Problem ist: Mein Gehirn unterscheidet nicht besonders gut zwischen einer kleinen Neugier und einer neuen Lebensmission.
    So entstehen dann Situationen, in denen ich um zwei Uhr morgens tief in einem Forum über mechanische Tastaturen, 3D-Drucker, Productivity-Apps oder irgendwelche obskuren Gadgets sitze und völlig überzeugt bin, dass genau dieses Thema mein Leben verändern wird.

    Für ungefähr acht Tage.

    Das Faszinierende daran ist, dass sich diese Begeisterung jedes Mal komplett echt anfühlt. Nicht gespielt, nicht oberflächlich. Wenn mich etwas interessiert, dann richtig. Menschen sagen mir oft, dass man mir ansieht, wenn ich für etwas brenne. Und ich glaube, genau das passiert in diesen Phasen.
    Mein Gehirn liebt neue Möglichkeiten. Neue Systeme. Neue Ideen. Neue kleine Welten, in die man eintauchen kann.
    Manchmal bleibt etwas davon langfristig. Viele meiner Projekte sind genau so entstanden. Andere Interessen verschwinden wieder fast so schnell, wie sie gekommen sind.
    Früher dachte ich, das sei ein Problem. Heute sehe ich es entspannter.
    Nicht jede Begeisterung muss produktiv sein. Nicht jedes Interesse muss monetarisiert werden. Und nicht jede Idee muss ein fertiges Projekt werden.
    Manchmal ist es genug, sich einfach kurz komplett für etwas zu begeistern.
    Auch wenn man drei Wochen später plötzlich überzeugt ist, dass man eigentlich unbedingt einen Mini-Plotter braucht.

  • Warum ich mir das reMarkable Paper Pro Move gekauft habe

    Warum ich mir das reMarkable Paper Pro Move gekauft habe

    Weniger Apps, mehr Fokus: Warum ich mir das reMarkable Paper Pro Move gekauft habe

    Ich habe mir vor zwei Tagen das reMarkable Paper Pro Move gekauft, weil ich gemerkt habe, dass ich etwas anderes brauche. Etwas Ruhigeres. Etwas, das mich unterstützt, statt ständig Aufmerksamkeit von mir zu verlangen. Gerade mit ADHS merke ich schnell, wenn digitale Tools irgendwann mehr Energie kosten, als sie eigentlich sparen sollten.

    Das Lustige ist: Ich war selbst mitten daran, eine Tasklist-App zu entwickeln. Die Idee dahinter war gut, und ich finde das Konzept noch immer spannend. Aber während ich daran gearbeitet habe, habe ich gleichzeitig gemerkt, dass selbst eine bewusst reduzierte Produktivitäts-App für meinen persönlichen Use Case nicht ganz das trifft, was ich eigentlich suche. Irgendwann ist selbst die beste App halt wieder eine App – mit Menüs, Optionen, Einstellungen und dem kleinen Risiko, sich doch wieder in „Produktivität“ statt in der eigentlichen Aufgabe zu verlieren.

    Genau deshalb hat mich das reMarkable Paper Pro Move angesprochen. Kein App Store, keine Notifications, keine tausend Funktionen. Einfach schreiben, lesen und organisieren. Mehr nicht. Und genau dieses „Mehr nicht“ fühlt sich gerade überraschend richtig an.

    Natürlich kann ich nach zwei Tagen noch kein endgültiges Fazit ziehen, aber ich merke jetzt schon, dass sich etwas verändert. Gedanken landen schneller an einem Ort. Ich greife wieder öfter zum Stift. Ideen bleiben nicht mehr irgendwo zwischen Notizen-App, Handy und losem Papier hängen. Das Schreiben fühlt sich direkter an und irgendwie bewusster, fast so, als würde mein Kopf etwas langsamer werden dürfen.

    Was ich besonders spannend finde: Die Begrenzung wirkt nicht einschränkend, sondern befreiend. Wir sind so daran gewöhnt, dass Geräte immer mehr können müssen, aber ich habe langsam das Gefühl, dass mein Gehirn eigentlich vom Gegenteil profitiert. Weniger Möglichkeiten bedeuten weniger Entscheidungen. Weniger Entscheidungen bedeuten weniger mentale Reibung. Und weniger mentale Reibung bedeutet oft mehr Fokus.

    Auch das Lesen fühlt sich anders an. Auf dem Handy verliere ich schnell die Konzentration, weil immer irgendetwas wartet. Hier gibt es nur den Text. Kein schnelles Wechseln zwischen Apps, keine kleinen Unterbrechungen. Einfach lesen.

    Vielleicht ist genau das der Punkt, der mich im Moment so anspricht: Das Gerät versucht nicht, mich möglichst lange zu beschäftigen. Es versucht nicht, meine Aufmerksamkeit festzuhalten. Es ist einfach da, wenn ich etwas festhalten oder lesen möchte, und verschwindet danach wieder in den Hintergrund.

    Und vielleicht ist das gerade für ein ADHS-Gehirn gar keine so schlechte Idee.

  • „Wer bin ich?“ – Ein Rückblick auf die Tagung zu Neurodivergenz und Geschlechtsidentität

    „Wer bin ich?“ – Ein Rückblick auf die Tagung zu Neurodivergenz und Geschlechtsidentität

    Am 13. März 2026 fand in Zürich eine wegweisende Tagung statt, die sich einer der komplexesten Fragen unserer Zeit widmete: Wie hängen neurobiologische Vielfalt und die Entwicklung der Geschlechtsidentität bei Kindern und Jugendlichen zusammen?. Unter dem Titel „Wer bin ich?“ beleuchteten Expertinnen aus Medizin, Psychologie und Pädagogik die Schnittmengen zweier Spektren, die in der klinischen Praxis und im Alltag immer mehr an Bedeutung gewinnen.

    Neurodiversität: Vielfalt statt Störung

    Der Begriff Neurodiversität beschreibt die natürliche Vielfalt der menschlichen Gehirnentwicklung. Neurodivergente Menschen – dazu gehören etwa Personen im Autismus-Spektrum, mit ADHS, Dyslexie oder Hochbegabung – verarbeiten Informationen anders, als es der gesellschaftlichen „Norm“ entspricht.

    Ein zentrales Anliegen der Tagung war die Entpathologisierung. Das Label „neurodivergent“ soll Betroffene entlasten: Weg vom reinen Störungsdenken, hin zur Akzeptanz neurologischer Merkmale, die oft von aussen nicht sichtbar sind, aber Wahrnehmung und soziale Interaktion tiefgreifend beeinflussen.

    Geschlechtsidentität im Wandel

    Parallel zur neurobiologischen Vielfalt hat sich unser Verständnis von Geschlecht gewandelt. Geschlecht ist ein Spektrum. Während früher Kategorien wie „homosexuell“ oder „transsexuell“ starr besetzt waren, definieren heutige Jugendliche ihre Identität oft aktiv und individuell, etwa als genderqueer, non-binär oder asexuell.

    Dabei ist wichtig zu verstehen:

    • Die Geschlechtsidentität (das innere Wissen, wer man ist) lässt sich nicht von aussen ablesen.
    • Die meisten Menschen entwickeln bereits früh eine Geschlechtskonstanz, doch im Jugendalter nehmen Schwankungen und die Zuordnung zum nicht-binären Spektrum zu.
    • Non-binäre Menschen identifizieren sich nicht oder nur teilweise mit den Kategorien „männlich“ oder „weiblich“.

    Wenn sich die Spektren treffen: Die Schnittmenge

    Ein Schwerpunkt der Tagung war die überzufällige Häufigkeit, mit der Neurodivergenz und Geschlechtsvarianz gemeinsam auftreten. Studien zeigen, dass etwa 9 % bis 11 % der Jugendlichen in Gendersprechstunden eine Autismus-Diagnose haben – ein Vielfaches im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung.

    Warum ist das so? Diskutiert werden verschiedene Erklärungsmodelle:

    1. Kognitiver Stil: Autistische Menschen orientieren sich oft weniger an sozialen Normen und hinterfragen Geschlechterrollen daher häufiger kritisch.
    2. Gemeinsame Vulnerabilität: Es könnten überlappende genetische oder neurobiologische Faktoren vorliegen.
    3. Minoritätenstress: Die Interaktion von Neurodivergenz und sozialer Ausgrenzung kann die Identitätsdissonanz verstärken.

    Besondere Herausforderungen und Schutzfaktoren

    Jugendliche, die an dieser Schnittstelle stehen, erleben oft einen doppelten Minoritätenstress. Das Risiko für psychische Belastungen, Angststörungen und Suizidalität ist besorgniserregend hoch. 50-70 % der trans Jugendlichen berichten von Suizidgedanken oder Selbstverletzungen.

    Als protektive Faktoren wurden vor allem eine gute Unterstützung durch die Familie und Peers sowie die soziale Transition (das Leben im Wunschgeschlecht) genannt.

    Was braucht es in der Begleitung?

    Für Fachpersonen und Eltern ergaben sich aus der Tagung klare Handlungsempfehlungen für einen sensiblen Umgang:

    • Ergebnisoffene Haltung: Unterstützung bedeutet nicht, eine Richtung vorzugeben, sondern den Prozess der Identitätsfindung zu validieren und Zeit zu lassen.
    • Anpassung der Kommunikation: Besonders bei autistischen Jugendlichen sind klare Strukturen, Reizreduktion und die Nutzung visueller Hilfsmittel entscheidend.
    • Inklusive Sprache: Die Verwendung der gewünschten Pronomen und Namen ist ein Akt des Respekts und der Sicherheit.
    • Validierung statt Skepsis: Die Sorgen der Eltern müssen ernst genommen werden, ohne dabei die Identität des Kindes zu relativieren.

    Fazit

    Neurodiversität und Geschlechtervielfalt sind keine Modediagnosen, sondern Ausdruck der menschlichen Vielfalt. Die Tagung machte deutlich: Wir müssen lernen, über den Tellerrand binärer Normen hinauszuschauen. Wenn wir Rahmenbedingungen anpassen und Stärken fokussieren, können wir Erfolgserlebnisse generieren und jungen Menschen helfen, ihren Platz in der Gesellschaft zu finden – genau so, wie sie sind.

    Quellen

    Nachfolgend sind die Quellen, die als Grundlage für den Blogbeitrag zur Tagung „Wer bin ich? Neurodivergenz und Geschlechtsidentität im Kinder- und Jugendalter“ (Zürich, 13.03.2026) dienten: 

    • Dr. med. univ. Cornelia Galanda: Neurodivergenz im Kindes- und Jugendalter mit Fokus auf Autismus und ADHS. Stiftung visoparents.
    • KD Dr. med. Dagmar Pauli: Trans, nicht-binär, gender-nonconforming. Was brauchen genderdiverse Kinder und Jugendliche aus medizinisch-therapeutischer Perspektive? Psychiatrische Universitätsklinik Zürich / Stiftung visoparents.
    • Evianne Hübscher: Geschlechtervielfalt – Nonbinarität: Die vielfältigen Dimensionen von Geschlecht. Geschlechter-Radar / Stiftung visoparents.
    • Tanja Schenker: Wenn Neurodivergenz und Geschlechtsvarianz zusammentreffen. Psychiatrische Universitätsklinik Zürich / Stiftung visoparents.

    Diese Unterlagen enthalten zudem zahlreiche Verweise auf internationale Studien (z. B. von Warrier et al., 2020 oder de Vries et al., 2014) sowie medizinische Klassifikationssysteme wie das ICD-11 und DSM-5, die die wissenschaftliche Basis der Tagung bilden.

  • Who am I? – A reflection on the conference on neurodivergence and gender identity

    Who am I? – A reflection on the conference on neurodivergence and gender identity

    On March 13, 2026, a groundbreaking conference took place in Zurich, addressing one of the most complex questions of our time:

    How are neurobiological diversity and the development of gender identity connected in children and adolescents?

    Under the title “Who am I?”, experts from medicine, psychology, and education explored the intersections of two spectra that are becoming increasingly relevant both in clinical practice and in everyday life.

    Neurodiversity: Diversity instead of disorder

    The term neurodiversity describes the natural variation in human brain development. Neurodivergent individuals — including those on the autism spectrum, with ADHD, dyslexia, or giftedness — process information differently from what is considered the societal “norm.”

    A central focus of the conference was depathologization. The label “neurodivergent” is intended to relieve those affected:

    moving away from a purely disorder-based perspective toward the acceptance of neurological traits that are often invisible from the outside, yet profoundly shape perception and social interaction.

    Gender identity in transition

    Alongside neurobiological diversity, our understanding of gender has evolved.

    Gender is a spectrum.

    Where categories such as “homosexual” or “transsexual” were once rigidly defined, today’s adolescents often actively and individually define their identities — for example as genderqueer, non-binary, or asexual.

    Important points to understand:

    • Gender identity (the internal sense of who one is) cannot be determined from the outside.
    • Most people develop gender constancy early on, but during adolescence, fluctuations and identification within the non-binary spectrum increase.
    • Non-binary individuals do not, or only partially, identify with the categories “male” or “female.”

    When the spectra meet: The intersection

    A key focus of the conference was the above-average co-occurrence of neurodivergence and gender diversity.

    Studies show that around 9% to 11% of adolescents in gender clinics have an autism diagnosis — a multiple compared to the general population.

    Why is this the case? Several explanatory models were discussed:

    1. Cognitive style: Autistic individuals often rely less on social norms and may therefore question gender roles more critically.
    2. Shared vulnerability: There may be overlapping genetic or neurobiological factors.
    3. Minority stress: The interaction of neurodivergence and social exclusion may intensify identity-related distress.

    Specific challenges and protective factors

    Young people at this intersection often experience double minority stress.

    The risk of psychological distress, anxiety disorders, and suicidality is alarmingly high.

    50–70% of trans adolescents report suicidal thoughts or self-harm.

    Key protective factors identified include:

    • strong support from family and peers
    • social transition (living in one’s affirmed gender)

    What is needed in support and care?

    For professionals and parents, the conference provided clear recommendations for a sensitive approach:

    • Open-ended attitude: Support does not mean steering in a specific direction, but validating the identity exploration process and allowing time.
    • Adapted communication: Especially for autistic adolescents, clear structures, reduced sensory input, and visual aids are crucial.
    • Inclusive language: Using a person’s chosen name and pronouns is an act of respect and safety.
    • Validation instead of skepticism: Parents’ concerns should be taken seriously — without invalidating the child’s identity.

    Conclusion

    Neurodiversity and gender diversity are not “trends” or “diagnostic fads,” but expressions of human diversity.

    The conference made one thing clear:

    We need to learn to look beyond binary norms.

    By adapting our frameworks and focusing on strengths, we can create opportunities for success and help young people find their place in society — exactly as they are.

    Sources

    The following sources formed the basis of this blog post on the conference:

    • Dr. med. univ. Cornelia Galanda: Neurodivergenz im Kindes- und Jugendalter mit Fokus auf Autismus und ADHS. Stiftung visoparents.
    • KD Dr. med. Dagmar Pauli: Trans, nicht-binär, gender-nonconforming. Was brauchen genderdiverse Kinder und Jugendliche aus medizinisch-therapeutischer Perspektive? Psychiatrische Universitätsklinik Zürich / Stiftung visoparents.
    • Evianne Hübscher: Geschlechtervielfalt – Nonbinarität: Die vielfältigen Dimensionen von Geschlecht. Geschlechter-Radar / Stiftung visoparents.
    • Tanja Schenker: Wenn Neurodivergenz und Geschlechtsvarianz zusammentreffen. Psychiatrische Universitätsklinik Zürich / Stiftung visoparents.

    These materials also include numerous references to international studies (e.g., Warrier et al., 2020; de Vries et al., 2014) as well as medical classification systems such as ICD-11 and DSM-5, which form the scientific foundation of the conference.

  • Walking as a Cognitive Tool

    Walking as a Cognitive Tool

    I started walking more intentionally when I realised that thinking does not happen best when I am still. Sitting at a desk, trying to force clarity, often leads me in circles. Movement, on the other hand, seems to loosen something. Not in a dramatic, inspirational way, but quietly and reliably.

    Once a week, I try to take a walk with my husband. There is no fixed route and no strict purpose. Sometimes we talk. Sometimes we walk in near silence, side by side, letting thoughts come and go. What matters is not the distance, but the rhythm. Walking creates a shared tempo, and that tempo does something to the nervous system.

    From a cognitive perspective, movement and thinking are deeply connected. Our brains evolved in motion, not in chairs. Walking activates bilateral stimulation, gently engaging both sides of the body and the brain. This kind of movement supports regulation, especially for people whose thoughts tend to scatter or accelerate under pressure. For me, walking seems to organise attention without demanding it.

    What changes when I walk is not the content of my thoughts, but their behaviour. Problems stop feeling urgent and start feeling sortable. Ideas appear without being summoned. Conversations unfold more naturally because the body is already doing something repetitive and grounding. There is less pressure to perform clarity and more space for it to emerge.

    Walking together adds another layer. Co-regulation is a concept often discussed in psychology and pedagogy: the idea that our nervous systems stabilise through the presence of others. Walking next to my husband, rather than facing each other across a table, removes intensity. There is no eye contact to maintain, no conversational demand to fill silence. Connection happens in parallel, not in confrontation.

    This weekly walk has become a form of maintenance. Not a solution, not a breakthrough ritual, but a small act of care for my cognitive and emotional system. It helps me notice when I am overloaded, when my thinking has become rigid, when I need to slow down rather than push through.

    In a culture that treats movement as exercise and thinking as something that happens only at desks, walking feels almost subversive. It reminds me that regulation does not always require effort. Sometimes it requires permission to move.

    I do not walk to be productive. I walk to stay connected — to my thoughts, to my body, and to the person next to me. And week by week, that seems to be enough.

  • ADHD Medication, Wellbeing, and the Weight of Stigma

    ADHD Medication, Wellbeing, and the Weight of Stigma

    Writing about medication still feels exposed. Not because it is controversial in a medical sense, but because it touches something deeply personal: the idea that needing support somehow reflects a personal failure.

    My path to medication was not linear. Before finding something that helped, I tried Ritalin, different forms of Methylphenidate and other options. Each attempt came with hope, curiosity and eventually disappointment. Some medications helped with focus but flattened my emotions. Others made my body feel alert while my mind felt strangely disconnected. None of them were inherently wrong. They were just not right for me.

    I am currently taking Elvanse, 50 mg. Writing that down still feels oddly intimate, because numbers invite judgement. I want to be clear: this is not a recommendation, just a factual part of my story. Elvanse did not remove my ADHD. I still struggle with distraction, overwhelm and fatigue. What changed was something subtler. Friction decreased. Starting tasks stopped feeling like pushing against an invisible wall. My thoughts did not become slow or silent, but they became usable.

    Alongside Elvanse, I also take Wellbutrin. Not to optimise productivity, not to chase happiness, but to support my overall wellbeing. For me, it helps stabilise my emotional baseline. It smooths out some of the sharp edges that made everyday life feel heavier than it needed to be. This combination works for me, at least right now. That does not make it universal, and it does not make it permanent.

    One of the most important realisations for me was this: medication does not create motivation. It creates access. Access to focus, to follow-through, to choice. I still need structure, rest, boundaries and compassion. Medication did not replace those needs. It made meeting them possible.

    There is grief in this process. Grief for how hard things were before. Grief for the years spent believing that my struggles were moral failures rather than neurological realities. But there is also relief. Relief in understanding that needing help does not mean something is wrong with me.

    And yet, medication is rarely allowed to be neutral. ADHD medication is often framed as cheating. Antidepressants are framed as weakness. Both carry a strange moral weight, as if using medical support somehow diminishes authenticity. This stigma often hides behind concern. “Are you sure you need that?” “Have you tried just pushing through?” “But you seem fine.” These questions sound caring, but they quietly imply that medication is excessive or suspicious.

    What bothers me most is how often medication is judged based on output. ADHD medication is tolerated if it makes someone more productive. Antidepressants are accepted if they make someone easier to deal with. Rarely are these tools discussed in terms of sustainability, dignity or quality of life.

    We do not apply this logic to glasses, hearing aids or insulin. We do not ask people to prove they are struggling enough to deserve support when the need is visible. When it comes to the brain, however, support is treated like a confession.

    Medication is not a personality replacement. It does not erase complexity or pain. It does not fix everything. It simply removes some barriers. For some people, that removal is life-changing. For others, it is not worth the side effects. Both outcomes are valid.

    For me, Elvanse and Wellbutrin are part of a larger system: therapy, self-designed tools, pacing, creative work and learning to respect my limits. Medication did not give me a new self. It gave me a bit more space inside the one I already had.

    And sometimes, that space is not about becoming better. It is about finally being able to breathe.

  • ADHS-Medikation, Wohlbefinden und das Gewicht von Stigma

    ADHS-Medikation, Wohlbefinden und das Gewicht von Stigma

    Über Medikamente zu schreiben fühlt sich immer noch verletzlich an. Nicht, weil das Thema medizinisch besonders kontrovers wäre, sondern weil es etwas sehr Persönliches berührt: die Vorstellung, dass Unterstützung zu brauchen irgendwie ein persönliches Versagen sein könnte.

    Mein Weg zur Medikation war nicht geradlinig. Bevor ich etwas gefunden habe, das mir hilft, habe ich Ritalin ausprobiert, verschiedene Formen von Methylphenidat und weitere Optionen. Jede neue Medikation brachte Hoffnung mit sich, manchmal auch Neugier, oft aber auch Ernüchterung . Manche Mittel halfen bei der Konzentration, machten mich emotional aber flach. Andere aktivierten meinen Körper, während sich mein Kopf seltsam abgekoppelt anfühlte. Keine dieser Erfahrungen war grundsätzlich falsch. Sie waren einfach nicht passend für mich.

    Aktuell nehme ich Elvanse, 50 mg. Diese Zahl aufzuschreiben fühlt sich erstaunlich intim an, weil Zahlen schnell bewertet werden. Deshalb auch hier ganz klar: Das ist keine Empfehlung, sondern nur ein Teil meiner Geschichte. Elvanse hat mein ADHS nicht verschwinden lassen. Ich bin immer noch ablenkbar, überfordert und manchmal erschöpft. Was sich verändert hat, ist etwas Feineres. Die Reibung wurde weniger. Dinge zu beginnen fühlt sich nicht mehr an wie gegen eine unsichtbare Wand zu drücken. Meine Gedanken sind nicht langsam geworden, aber nutzbarer.

    Zusätzlich zu Elvanse nehme ich auch Wellbutrin. Nicht, um produktiver zu sein oder dauerhaft glücklich zu funktionieren, sondern um mein allgemeines Wohlbefinden zu stabilisieren. Für mich unterstützt es meine emotionale Grundlinie. Es nimmt etwas von den scharfen Kanten, die den Alltag früher schwerer gemacht haben, als er sein müsste. Diese Kombination funktioniert für mich im Moment. Das macht sie weder universell noch endgültig.

    Eine der wichtigsten Erkenntnisse für mich war: Medikation erzeugt keine Motivation. Sie schafft Zugang. Zugang zu Fokus, zu Durchhaltevermögen, zu Wahlmöglichkeiten. Ich brauche weiterhin Struktur, Pausen, Grenzen und Mitgefühl mit mir selbst. Medikamente haben diese Dinge nicht ersetzt. Sie haben sie erst möglich gemacht.

    In diesem Prozess steckt auch Trauer. Trauer über die Jahre, in denen alles so viel schwerer war. Trauer über die Zeit, in der ich meine Schwierigkeiten als moralisches Versagen verstanden habe und nicht als neurologische Realität. Gleichzeitig ist da auch Erleichterung. Die Erleichterung zu begreifen, dass Unterstützung zu brauchen nichts über meinen Wert aussagt.

    Und trotzdem dürfen Medikamente selten neutral sein. ADHS-Medikamente gelten oft als Schummeln. Antidepressiva als Zeichen von Schwäche. Beides trägt eine merkwürdige moralische Last. Diese zeigt sich oft in Form von vermeintlicher Sorge: „Bist du sicher, dass du das brauchst?“ „Hast du schon versucht, dich einfach mehr zusammenzureissen?“ „Aber du wirkst doch ganz normal.“ Diese Fragen klingen fürsorglich, transportieren aber unterschwellig Zweifel und Misstrauen.

    Was mich besonders stört, ist wie stark Medikamente nach Leistung bewertet werden. ADHS-Medikation wird akzeptiert, wenn sie Produktivität steigert. Antidepressiva werden toleriert, wenn sie jemanden für andere angenehmer machen. Selten geht es um Nachhaltigkeit, Würde oder Lebensqualität.

    Bei Brillen, Hörgeräten oder Insulin stellen wir diese Fragen nicht. Niemensch muss beweisen, dass er genug leidet, um Unterstützung zu verdienen, wenn der Bedarf sichtbar ist. Beim Gehirn hingegen wird Hilfe schnell zur Rechtfertigung.

    Medikation ist kein Ersatz für eine Persönlichkeit. Sie nimmt niemandem Tiefe oder Komplexität. Sie löst nicht alles. Sie entfernt lediglich einige Hindernisse. Für manche Menschen ist genau das lebensverändernd. Für andere überwiegen die Nebenwirkungen. Beides ist legitim.

    Für mich sind Elvanse und Wellbutrin Teil eines grösseren Systems: Therapie, selbst entwickelte Werkzeuge, bewusste Pausen, kreative Arbeit und das Lernen, meine Grenzen ernst zu nehmen. Medikamente haben mir kein neues Ich gegeben. Sie haben mir etwas mehr Raum in dem Ich verschafft, das schon da war.

    Und manchmal geht es bei diesem Raum nicht darum, besser zu werden. Sondern darum, endlich wieder atmen zu können.

  • Neurodivergence and Loneliness: The Kind No One Talks About

    Neurodivergence and Loneliness: The Kind No One Talks About

    There’s a kind of loneliness that isn’t loud. It doesn’t always look like isolation. Sometimes it’s just the slow, quiet ache of feeling misunderstood. Like you’re slightly out of tune with the world. Not broken—just… playing a different melody.

    If you’re neurodivergent, chances are you’ve felt that. That feeling of being on the edges. Of trying to keep up with relationships that weren’t really designed with your brain in mind.

    Friendship isn’t just about finding people—it’s about keeping them

    And here’s the thing that doesn’t get said enough: being neurodivergent can make maintaining friendships hard. Not because we don’t care. In fact, many of us feel deeply. We crave connection. But it often gets tangled up in executive dysfunction, social burnout, time blindness, rejection sensitivity, sensory overload… the whole messy mix.

    We forget to reply. Or we overthink a message until it’s too late. We cancel plans because we’ve run out of spoons. We disappear when life gets overwhelming, not because we want to hurt anyone, but because everything feels too loud and we just need to shut down for a bit.

    And sometimes, people don’t understand that. They take it personally. They drift away. And even when we try to explain, it doesn’t always land.

    So we learn to say sorry a lot. We carry guilt. We try harder. But trying harder often just leads to burnout. And loneliness creeps in again—more familiar than it should be.

    We love differently—but deeply

    What’s wild is how many of us love our people so intensely, even if we don’t always show it in “typical” ways. Maybe we send memes instead of asking how your day was. Maybe we hyperfocus on your favorite things and remember tiny details. Maybe we’re quiet, but we’re always watching out for you in our own way.

    Our love might not always be timely, but it’s real. It’s fierce. It’s loyal.

    So what do we do with this?

    We grieve the friendships that faded, even if we understand why. We try to build new ones that hold space for how our brains work. We look for people who get it—or at least try to. People who don’t expect constant communication. Who understand that silence doesn’t mean distance. That we’re still here, still caring, even if we vanish sometimes.

    And maybe we give ourselves some grace too. Maybe we stop calling ourselves bad friends and start calling ourselves neurodivergent friends. There’s a difference.

    If you’re feeling this…

    You’re not alone. Truly. So many of us are out here, quietly struggling with the same guilt, the same ache, the same longing to feel seen and accepted.

    Let’s rewrite what friendship can look like. Let it be slower, softer, more forgiving. Let it leave space for rest and repair. For disappearing and returning. For honesty.

    Because connection isn’t about performing. It’s about being real. And real doesn’t always show up on time or say the right thing.

    Sometimes, it just says: I’m still here. I still care. Even if I’m quiet right now.

    I made a Video in Swiss German about this:

  • Queerness & Neurodiversity: When the World Doesn’t Fit, We Create Our Own

    Queerness & Neurodiversity: When the World Doesn’t Fit, We Create Our Own

    I’ve been thinking a lot about what it means to move through the world as both queer and neurodivergent. Not in the sense of fitting into neat definitions, but more like: what happens when your brain and your identity both push against the so-called “norm”?

    Spoiler: it’s exhausting. And also kind of powerful.

    There’s this unspoken rule that life follows a script—straight lines and clear roles. But queerness bends that script. Neurodivergence often throws it out the window entirely. And while that can be frustrating (especially when trying to do something as “simple” as sending an email or attending a birthday party), it also opens space for questioning things at a deeper level.

    Like, why do we expect everyone to thrive under the same systems? Why do we equate productivity with worth? Why is masking—whether it’s hiding your stimming or your sexuality—so often rewarded?

    For me, queerness and neurodiversity aren’t separate boxes. They influence each other. Being neurodivergent means I experience emotions in a very intense way. Being queer means I’ve had to figure out how to be myself in a world that didn’t always offer me examples how to do that. Together, they’ve made me more intentional about how I create space for myself—and for others.

    I think that’s why I’m so interested in building tools, spaces, and stories that reflect our complexity. Queer, neurodivergent lives deserve more than just tolerance—we deserve representation, accessibility, and joy. We deserve to see ourselves not just as people who need to adapt, but as people who innovate—who reimagine, remix, and reinvent what a good life can look like.

    So yeah. Maybe the world doesn’t always fit us. But we’re pretty good at creating new ones.

    What do you think?